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Man probiere keine Pflanzen, bei denen man sich nicht sicher in der Bestimmung ist! Nicht alle Pflanzen sind bedenkenlose Eßbar! Viele enhalten Gifte und Stoffe die bei ausreichender Menge schädliche Auswirkungen, oder sogar tödlich sein können! Alle angeblichen Heil-und Medizinalpflanzen, ersetzen keineswegs einen Arztbesuch! Vor Selbstmedikamentation wird ausdrücklich gewarnt! Alle Angaben sind nach bestem Wissen hier aufgelistet, eine Garantie für deren Richtigkeit, kann aber nicht übernommen werden! Benutzung der hier veröffentlichen Informationen geschieht auf eigene Verantwortung! Jede Haftung für irgendwelche Schäden wird daher ausgeschlossen!
Botanischer Name:
Raphanus caudatus
Gebräuchliche Namen:
Rattenschwanz-Würze, Rattenschwanz-Radieschen, Luft-Radies
Familie:
Brassicaceae (Kohlgewächs)
Ein sehr ungewöhnliches und zugleich pikantes Gemüse ist die Rattenschwanzwürze (botanisch Raphanus caudatus). Die Pflanze ist ursprünglich in Indien, Asien und Europa beheimatet gewesen. Jedoch war die Rattenschwanz-Würze in Amerika bereits vor 200 Jahren sehr beliebt gewesen. Leider ist dieses interessante Kohlgemüse, wie viele andere Gemüsearten in Vergessenheit geraten. Erfreulich ist, dass in letzter Zeit die unkomplizierte Rattenschwanz-Würze vereinzelt wieder im Samenhandel angeboten wird.
Die Fruchtschoten oder -hülsen erinnern in ihrer Form entfernt an einen Rattenschwanz. Sie werden in der Regel bis zu 12 cm lang. Sie erscheinen besonders bei warmem Wetter in überreicher Menge. Gegessen werden die Schoten und nicht wie bei den Radieschen üblich, die Knollen. Die jungen, saftigen und dickfleischigen Schoten schmecken roh pikant nach Rettich und gedünstet so süss wie Erbsen. Die Schoten können aber auch eingelegt werden. Die Rattenschwanz-Würze ist einjährig und braucht zum guten gedeihen einen sonnigen Standort.
Aussaat und Ernte der Rattenschwanz-Würze:
Die Rattenschwanz-Würze keimt rasch nach der Aussaat und ist weit weniger anspruchsvoll als Rettiche oder Radieschen.
- Direkt-Aussaat:
- Man kann sie direkt in Reihen von ca 40 cm Abstand aussäen. Der Samen soll ca 1-2 cm tief abgelegt werden. Der Boden sollte tief gelockert sein, damit keine Staunässe entsteht und die Pfahlwurzel ungestört in die Tiefe vordringen kann. Nach dem Aufgang der Saat werden die Keimlinge auf 15 bis 20 cm Abstand vereinzelt, denn wie Rettich oder Radieschen braucht die Rattenschwanz-Würze Platz und viel Licht. Zu dichter Stand bringt verkrüppelte Pflanzen hervor. Ein kleiner Tipp, wenn man die Pflanzreihen etwas mit Erde anhäufelt an den Seiten, bekommen die Pflanzen, die bis zu 70 cm hoch wachsen können, einen besseren Halt und sind somit standsicherer. Die Direktaussaat ins Freie kann man von April bis Ende Juli vornehmen und nach acht bis zehn Wochen je nach Aussaat und Sonne kann man mit der Ernte beginnen.
- Pflanzung:
- Es besteht aber auch die Möglichkeit die Rattenschwanz-Würze zu pflanzen, anstatt sie direkt in die Erde auszusäen. Dazu sät man zuerst den Samen in Aussaatkisten. Am besten verwendet man hierfür spezielle keimfreie Anzuchterde. Sobald die Samen aufgegangen sind und sich die Keimblätter zeigen, sollte man pikieren. Die Sämlinge können auch noch wenn sie schon grösser sind, pikiert werden. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass sie vergeilen und somit unbrauchbar werden. Man pikiert am besten in einen 8-9 cm Topf. Andere Gefässe sind auch möglich. Sobald die Pflanzen ca 10 cm hoch sind, werden sie im Freiland in Reihenabstände von ca 60-70 cm ausgepflanzt. In der Reihe sollte man einen Abstand von ca 40-50 cm einhalten. Auch hier können die Pflanzen später mit Erde angehäufelt werden damit sie standfester sind. Mit der Voranzucht kann man Ende März - Anfang April beginnen. Ein auspflanzen sollte erst erfolgen wenn es frostfrei bleibt oder Anfang Mai je nach Gegend.
- Balkon:
Die Ernte erfolgt je nach Witterung ab Juni bis Ende September, gelegentlich auch noch bis Anfang Oktober. Man erntet den essbaren aber unreifen Samenstand (Schote) der Pflanze, welcher einen würzigen und pikanten Geschmack hat. Die Schoten können laufend gepflückt werden, da die Blütenstände lange blühen und schnell nachsetzen.
- Auch auf einem Balkon kann man die herrliche Rattenschwanz-Würze anbauen. Dazu wird im Prinzip genauso verfahren wie bei der "Pflanzung". Anstatt jedoch die Pflanzen ins Freiland zu pflanzen, werden sie in einen grossen Topf oder Gefäss mit mindestens 10 Liter Volumen gepflanzt. Man sollte spezielle Pflanzerden die für Starkzehrer geeignet sind, verwenden . Da die Rattenschwanz-Würze einen rekativ hohen Nährstoffbedarf hat, kann die Zugabe von feinem Kompost unter die Pflanzerde nicht schaden. Da im Topf oder Gefäss keine weiteren Nährstoffe hinzu kommen, sollte man einige Wochen nach der Pflanzung regelmässig mit Flüssigdünger nachdüngen.
Verwendung der Schoten: Die grünen und manchmal etwas violett gefärbten Schoten sind, wenn sie dick und fleischig geworden sind, hervorragend dazu geignet in Butter gedünstet, gekocht oder eingelegt zu werden. Roh bieten sie die Möglichkeit dem gemischten Salat eine pikante Note zu geben. Die Schoten sind ein idealer Dip und Snack und können als leckere Beilage serviert werden oder im Wok gedünstet als Gemüsebeilage dienen.
Nicht nur als Gemüse mit frischem, leicht scharfem Geschmack, sondern auch frisch oder getrocknet in Sträußen und Gestecken ist diese ungewöhnliche Pflanze eine Attraktion. Nebenbei ist sie reich an Vitaminen, Ballaststoffen und heilkräftigen Inhaltsstoffen.
Die Rattenschwanz-Würze war bei einem Kölner Projekt die "Kinderpflanze" 2004.