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Techniken Saatgutgewinnung:

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Sie finden auf dieser Seite eine Einführung in die allgemeinen Techniken der eigenen Saatgutgewinnung für den privaten Hausgarten.
Mit diesem Wissen können Sie in Ihrem Garten von samenfesten Sorten, Ihr eigenes, sortenreines Saatgut von den unterschiedlichsten Nutzpflanzen, selbst gewinnen, so wie dies früher in jedem Hausgarten üblich war.
Um dies fachgerecht zu verwirklichen, erhalten Sie die dazu nötigen Informationen und Erklärungen auf dieser und weiteren Rubriken der Webseite vom Kraizschouschteschgaart.

120x150 Saatgut aufbereiten
120x150 Holzrandsiebe
120x150 Dreschen
120x150 Saatgutlagerung
Unter der auf dieser Seite befindlichen Rubrik:
"Techniken zur Saatgutgewinnung" finden Sie:
  • Theoretische Einführung zum Thema.
  • Generelle Informationen über die Saatgutgewinnung im privaten Hausgarten.
  • Arbeitsanleitungen mit Schritt-für-Schritt Erklärungen über die Saatgutgewinnung.
  • Materialbedarf .
  • Verschiedenes.
Unter der Rubrik "Sortenerhalt der einzelnen Gemüsearten" finden Sie:
  • Gezielte Informationen und Arbeitsanleitungen für die Saatgutgewinnung der verschiedenen einzelnen Gemüsearten.


Inhaltsverzeichnis dieser Seite:

(1.) Ein paar Gedanken als Einleitung.
(2.) Warum selber Saatgut ernten?
(3.) Was benötigt man zur Saatgutgewinnung?
(4.) Grundlagenwissen der Botanik.
          (4.1.) Kleines Einmaleins der Pflanzeneinteilung.
          (4.2.) Die Blüte.
                    (4.2.1.) Zwitterblüte.
                    (4.2.2.) Einhäusigkeit.
                    (4.2.3.) Zweihäusigkeit.
          (4.3.) Aufbau der Blüte.
          (4.4.) Befruchtung der Blüte.
                    (4.4.1.) Selbstbefruchter.
                    (4.4.2.) Fremdbefruchter.
                              (4.4.2.1.) Insektenbefruchtete Pflanzen.
                              (4.4.2.2.) Windbestäubte Pflanzen.
(5.) Bewahrung der Sortenreinheit durch mechanische Isolation und Handbestäubung.
          (5.1.) Die Räumliche Isolation.
          (5.2.) Die Zeitliche Isolation.
                    (5.2.1.) Innerhalb eines Jahres.
                    (5.2.2.) Über mehrere Jahre.
          (5.3.) Mechanische Isolation.
                    (5.3.1.) Einsacken.
                    (5.3.2.) Isolation-Tunnels.
                              (5.3.2.1.) Feststehende.
                              (5.3.2.2.) An abwechselnden Tagen.
                              (5.3.2.3.) Mit Bestäuberinsekten.
          (5.4.) Handbestäubung.
(6.) Auslese und Selektionsarbeit.
          (6.1.) Auslese/Selektions-Verfahren.
                    (6.1.1.) Erhaltende Populations-Auslese.
                    (6.1.2.) Negative Auslese.
                    (6.1.3.) Positive Auslese.
          (6.2.) Allgemeine Auslese- und Selektionskriterien.
                    (6.2.1.) Geschmacks Eigenschaften.
                    (6.2.2.) Resistenz gegenüber Wetterschwankungen.
                    (6.2.3,) Toleranz auf Krankheiten und Schädlinge.
                    (6.2.4.) Frühzeitigkeit.
                    (6.2.5.) Spätreife.
                    (6.2.6.) Ertrag und Fruchtbehang.
                    (6.2.7.) Einlagerung.
                    (6.2.8.) Andere mögliche Auslese-Kriterien.
(7.) Populationsgrößen und Genetische Vielfalt.
(8.) Saatgutreinigungsmethoden.
          (8.1.) Die Nassreinigung.
                    (8.1.1.) Die Nassreinigung mit Gärung.
                              (8.1.1.1.) Die Samenentfernung.
                              (8.1.1.2.) Der Waschvorgang.
                              (8.1.1.3.) Die Trocknung.
                    (8.1.2.) Die Nassreinigung ohne Gärung.
          (8.2.) Die Trockenreinigung.
                    (8.2.1.) Das Trocknen.
                              (8.2.1.1.) Trocknen der Samenkörner an der Pflanze.
                              (8.2.1.2.) Nachtrocknen der Samenstände im Haus.
                    (8.2.2.) Das Ausdreschen des Saatgutes.
                              (8.2.2.1.) Samen die in leicht brüchigen Kapseln oder Blattachseln sitzen.
                              (8.2.2.2.) Samen die fest von Hülsen/Schoten umgeben sind.
                              (8.2.2.3.) Samen die sich leicht aus den Hülsen/Schoten lösen.
                    (8.2.3.) Das Reinigen des Saatgutes.
                              (8.2.3.1.) Reinigen von Hand.
                              (8.2.3.2.) Die Siebreinigung.
                              (8.2.3.3.) Trennung nach Gewicht.
                              (8.2.3.4.) Die Windreinigung.
                              (8.2.3.5.) Das Ausblasen.
                              (8.2.3.6.) Die Wasserreinigung.
          (8.3.) Handauslese des gereinigten Saatgutes.
(9.) Saatgutlagerung.
          (9.1.) Allgemeines.
          (9.2.) Offene Saatgutlagerung (Kurzfristige Lagerung).
          (9.3.) Tiefkühllagerung (Längerfristige Lagerung).
          (9.4.) Saatguttrocknung mit Silika-Gel.
          (9.5.) Beschriftung und Dokumentation des eingelagerten Saatgutes.
                    (9.5.1.) Beschriftung.
                    (9.5.2.) Dokumentation.
(10.) Verschiedenes.
          (10.1.) Prüfung der Keimfähigkeit / Keimprobe.
(11.) Schritt-für-Schritt Anleitungen allgemeiner Techniken für die Saatgutgewinnung.
          (*) Einzelne Blüten isolieren.
          (*) Einschlag Wurzelgemüse in Hobelspänen.
          (*) Selektion und Auslese.
          (*) Saatgut dreschen und reinigen am Beispiel Bohnen.
          (*) Saatgut dreschen und reinigen am Beispiel Kolbenhirse.
          (*) Materialbedarf Saatgutgewinnung allgemein.
          (*) Zweijährige Samenträger überwintern am Beispiel Endivien.
          (*) Zweijährige Samenträger topfen am Beispiel Mangold.


(1.) Ein paar Gedanken als Einleitung:
Zahlreiche Menschen in unserer modernen Zivilisation haben keinen Kontakt mehr zu einem Garten und seinen vielfältigen Nutzpflanzen darin. Dies hat die unterschiedlichsten Gründe. Zum einen bekommen viele Leute keine Möglichkeit mehr einen Garten anzulegen, da sie zB: in Appartementwohnungen leben. Zum anderen haben, oder nehmen wir uns oft keine Zeit mehr Gartenarbeit zu tätigen. Unsere Gesellschaft ist im Stress! Zeitmangel! Egal wo und bei wem man sich umschaut. Es ist leider "uncool" geworden, seine kostbare Zeit in einem Garten zu "vergeuden".
Falls man heute Kinder in der Grundschule befragt, wessen Eltern einen Garten besitzen, bleibt es zunehmend immer öfter stumm. Viele Eltern haben keine Zeit, keine Lust oder auch keine direkte Möglichkeit einen Garten zu bewirtschaften. Auf die Fragen was man denn in einem Garten bei uns anbauen kann, bekommt man sehr oft nur noch unsere paar hochgezüchteten Allerwelts-Sorten die im Supermarkt zu finden sind und alle erdenklichen Exoten von den Kindern, aber auch schon von Erwachsenen aufgelistet. Die heutigen Generationen von Kindern, die ohne einen Garten aufwachsen, sind die Erwachsenen von morgen, die nie einen Garten kennengelernt haben und ihn auch nicht vermissen. Jahrtausende alte Traditionen werden in einigen Generationen verschwunden sein. Das ist keine Utopie! Im Gegenteil, wir sind auf dem besten Wege diese Utopie reale Wirklichkeit werden zu lassen!
Dennoch gibt es auch noch Lichtblicke. Kinder, deren Eltern auch heute noch einen Garten besitzen und Gemüse dort anbauen, haben viel mehr Interesse an allem Lebendigem, sind oft sehr gut informiert, sind aktiver und lebenslustiger und haben eine gute Basis Grundwissen, falls sie später einmal im grünen Bereich tätig werden oder sogar darin arbeiten. Dies sind nur einige Beispiele wie sich die Gartenarbeit positiv auf Kinder und natürlich auch auf Erwachsene auswirkt. Es ist selten einer im Garten zum Stubenhocker geworden. Jeder noch so kleinste Garten hat tausendmal mehr zu bieten, als jedes noch so "Reality-nahe" virtuelles Computerspiel!
Wirsing geschossen 320x240
Kohl Blüte 320x240
Sie sehen wie wichtig es ist das kulturelle Erbe sowie die alten Traditionen unserer Vorfahren auch heute noch lebendig zu halten. Oder wer von uns will schon seine schönen Kindheitserinnerungen, als man zB: mit dem Großvater die Kartoffeln geerntet hat und später beim verbrennen des Laubes diese sogleich im Feuer gegart und anschließend gegessen hat, vermissen? Oder welche Kinderaugen haben nicht verwundert dreingeschaut, als die Großmutter selbst geerntete Saatkörner in die Erde gelegt hat und später dort die wunderbarsten Gemüsesorten gewachsen sind? Es sind oft unscheinbare und unspektakuläre Dinge in unserem Leben, die uns prägen und ein ganzes Leben lang begleiten. Ein Garten wird Sie und Ihre Kinder ein Leben lang begleiten und Ihnen so viele glückliche Momente und Stunden bescheren, wie keine Shoppingtour in unserer Konsumwelt Ihnen es je bieten kann!
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(2.) Warum Saatgut selbst ernten?:
Diese Frage bekomme ich meist als allererstes gestellt. Warum also Saatgut selbst ernten, wo man doch überall problemlos Saatgut zu fast geschenkten Preisen kaufen kann? Dafür gibt es mehrere gute Gründe, wie ich denke.
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild1
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild2
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild3
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild4
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild5
Warum Saatgut selber ernten 320x240 Bild6
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(3.) Was benötigt man zur Saatgutgewinnung?
120x150 Materialbedarf1
In erster Linie benötigen Sie ein Stück Land in dem Sie Ihr Gemüse anbauen können. Ein Balkon reicht für einzelne Arten oft auch schon aus. Freude am Gärtnern und etwas Zeit sind ebenfalls sehr hilfreich. Ansonsten benötigen Sie verschiedene Utensilien für die unterschiedlichen Gemüsearten. Am besten Sie fangen mit einigen Sorten an wo Sie immer dieselben Utensilien gebrauchen können. Sobald Sie sich etwas eingearbeitet haben, werden Sie sich automatisch an immer mehr und immer "schwierige" Arten heranwagen. Beachten Sie dass das Garten-Hobby sehr schnell zur Garten-Leidenschaft werden kann, an der Sie viel Freude haben werden.
An Utensilien brauchen Sie unter anderem nachstehende Dinge
(Siehe dazu auch:
"Materialbedarf Saatgutgewinnung allgemein" )
120x150 Materialbedarf2
  • Messer
  • Löffel
  • Kübel
  • Siebe
  • Holzrandsiebe
  • Schüsseln / Schalen
  • Vlies / Gaze
  • Bestäuberinsekten
  • Haarföhn / Ventilator
  • Alte Decke
  • Alte Matratze
  • Abfülltrichter
  • Papiersäcke
  • Dreschflegel (zB: alter Spatenstiel)
  • Planen zum Unterlegen
  • Aufbewahrungsbehälter
  • Stifte
  • Etiketten
  • Waage
  • Luftdichte Kisten
  • Siebtisch mit Rand
  • Kaffeefilter
  • Ort zum Trocknen
  • Lagerort für Saatgut
  • Erdkeller für zweijährige Samenträger
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(4.) Grundlagenwissen der Botanik:
(4.1.) Kleines Einmal-eins der Pflanzeneinteilung:
Alle Pflanzen werden nach ein und demselben Muster der binären Nomenklatur klassifiziert. Das heißt für jede Familienangehörige Pflanze wird ein zweigliedriger Artenname verwendet. Dazu kommen noch spezifische Sortennamen und gegebenenfalls auch noch Lokalbezeichnungen der Gattung und Art.
Die Einteilung erfolgt also folgendermaßen: (Beispiel Puffbohne)

Familie:
Fabaceae
Gattung:
Vicia
Art:
faba
Sortenname:
z.B: "Windsor"
z.B: "Perfection"
z.B: ".......
Lokalname:
Ackerbohne / Pferdebohne / Saubohne / Dicke Bohne

Als "Familie" wird die große Gruppe der Pflanzen angesehen die ähnliche botanische Eigenschaften haben. Typisch ist die Familieneinteilung auf Grund von ähnlichen Blüten- und Fruchtstrukturen.
Als "Gattung" bezeichnet man die natürlichen Untergruppen der "Familie". "Gattungen" sind Gruppen von Pflanzen, die stark miteinander verwandt sind und nähere morphologische Ähnlichkeiten besitzen.
Als "Art" bezeichnet man die Unterteilung der "Gattung" in kleinere überschaubare Gruppen die ähnliche Merkmale aufweisen.
Der "Sortenname" ist eigentlich die letzte Einteilungsstufe. Er teilt die "Art" in die einzelnen Sorten (Individuen) auf. Jede Sorte hat ihre ganz spezifischen Eigenschaften.
Der " Lokalname" ist bei der Nomenklatur nicht unbedingt notwendig. Er wird jedoch oft als Orientierungshilfe mit angegeben.


(4.2.) Die Blüte:
Die Blüten der Pflanzen stechen meist mit auffälligen Farben und Formen hervor und ziehen nicht nur die Blicke der Menschen auf sich, sondern locken auch die zur Bestäubung notwendigen Insekten an. Die wichtigsten Teile, die der Fortpflanzung der Pflanzen dient, sind im Innern der Blüte verborgen. Der Fruchtknoten mit der weiblichen Ei-Anlage und die Staubgefäße die den männlichen Pollen bilden. Der Aufbau der Blüten kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Für die jeweiligen Pflanzenfamilien ist der Aufbau aber immer nach einem typischen Muster ausgebildet. Trotz der Vielgestaltigkeit der Blüten bei den jeweiligen Pflanzenarten, erfolgt der innere Aufbau der Blüte stets einem der drei nachstehenden Schemata: "Zwitterblüte"; "Einhäusigkeit" und "Zweihäusigkeit".
320x240 Blüte
(4.2.1.) "Zwitterblüte":
Als Zwitterblüte beschreibt man die Blüten an einer Pflanze, wo sowohl die weiblichen, als auch die männlichen Blütenorgane zur Fortpflanzung in einer Blüte zusammen zu finden sind. Bei diesen Pflanzen deren Blüten Zwitterblüten sind, hat jede Pflanze und dies in jeder Blüte, sowohl weibliche, als auch männliche Blütenorgane zusammengefasst. Als Beispiele für Zwitterblüten kann man z.B: Bohnen, Karotten, Salate, Porree, Radieschen und Tomaten nennen. Neben diesen Pflanzen gibt es auch noch Einhäusig und Zweihäusig blühende Pflanzen.
(4.2.2.) "Einhäusigkeit":
Als Einhäusigkeit beschreibt man die getrennt-geschlechtlichen Blüten an einer Pflanze. Bei diesen Pflanzen die Einhäusig blühen, gibt es sowohl rein weibliche, als auch rein männliche Blüten, an ein und derselben Pflanze. Als Beispiele für Einhäusige Pflanzen kann man z.B: Kürbisse, Gurken, Melonen und Mais nennen. Diese Pflanzen haben also weibliche Blüten und männliche Blüten an einer Pflanze, jedoch sind die Geschlechter nicht in einer einzelnen Blüte (wie bei der Zwitterblüte) zusammen, sondern getrennt voneinander auf dieser Pflanze zu finden.
(4.2.3.) "Zweihäusigkeit":
Als Zweihäusigkeit beschreibt man die getrennt-geschlechtlichen Blüten auf verschiedenen Pflanzen. Bei diesen Pflanzen die Zweihäusig blühen, gibt es also rein weibliche Pflanzen mit nur weiblichen Blütenorganen und ebenso gibt es auch rein männliche Pflanzen mit nur männlichen Blütenorganen. Als Beispiele für Zweihäusige Pflanzen kann man z.B: Spinat und Spargel nennen. Im Gegensatz zu Zwitterblüten-Pflanzen und Einhäusig blühenden Pflanzen, benötigt man bei den Zweihäusig blühenden Pflanzen also immer zwei Pflanzen zur Fortpflanzung bezw. Vermehrung.


(4.3.) Aufbau der Blüte:
Schematischer Aufbau der Blütenorgane einer Zwitterblüte :

Die Blüte einer Zwitterblüte enthält sowohl männliche wie weibliche Blütenorgane.
Unter dem Oberbegriff: "Staubgefäße" , werden die männlichen Organe zusammengefasst.
Es sind dies: Staubbeutel und Staubfaden .

Unter dem Oberbegriff: "Stempel" , werden die weiblichen Organe zusammengefasst.
Es sind dies: Narbe , Griffel und Fruchtknoten .
350x270 Schematischer Aufbau der Blütenorgane einer Zwitterblüte


(4.4.) Befruchtung der Blüte:

Bei der Bestäubung gelangen die männlichen Pollenkörner auf die weibliche Narbe. Dies kann grob unterteilt auf dem Wege der Selbstbefruchtung oder der Fremdbefruchtung stattfinden. Fließende Übergänge gibt es wie überall in der Natur auch hier. Wenn also ein Pollenkorn auf die empfängnisbereite Narbe gelangt, wird dieser zum auskeimen angeregt. Aus dem Pollenkorn heraus wächst ein Schlauch durch den langen Griffel bis in die Samenanlage hinein. Dort angekommen tritt die männliche Geschlechtszelle aus dem Pollenschlauch aus und vereinigt sich mit der weiblichen Eizelle. Dieser Vorgang wird als Befruchtung bezeichnet. Nach erfolgreicher Befruchtung beginnt die Zelle sich zu teilen und die Samenanlage beginnt anzuschwellen. Der Keimling wächst heran.
(4.4.1.) "Selbstbefruchter"
Bei den Selbstbefruchtern befruchtet sich die Pflanze selbst. Der blüteneigene Pollen bestäubt die Narbe. Es gibt sogar Arten da kann die Bestäubung sogar in der noch geschlossenen Blüte erfolgen, was auch als "Kleistogamie" bezeichnet wird. Beispiele hierfür sind: Bohnen der Art Phaseolus vulgaris, Erbsen, Salate, Sojabohnen und Tomaten.
Neben der Kleistogamie gibt es auch noch sogenannte Potentielle Selbstbefruchter. Diese können sich zwar selbst bestäuben, aber auch eine Fremdbefruchtung ist möglich. Erfolgt bei diesen keine Fremdbefruchtung gehen sie zur Selbstbefruchtung über. Als Beispiele kann man nennen: Puffbohne, Aubergine und Paprika. Da Potentielle Selbstbefruchter eine Fremdbefruchtung zulassen muss man bei mehreren Sorten der selben Art diese vor Verkreuzungen schützen.
Da manche Selbstbestäuber den Wind oder Insekten benötigen, damit diese den Pollen auf die Narbe "rütteln", muss man in windstillen Gewächshäusern oder in Isolationstunnels über ein mechanisches "Rütteln" der Pflanzen für eine optimale Bestäubung sorgen, ansonsten setzen diese Pflanzen nur sehr wenig Früchte und Samen an.
(4.4.2.) "Fremdbefruchter"
Bei der Fremdbefruchtung wird im Gegensatz zur Selbstbefruchtung, Pollen einer anderen Pflanze auf der Narbe deponiert. Da Pflanzen im Unterschied zu Tieren und dem Mensch immobil sind, benötigen Fremdbefruchter für ihre Bestäubung Helfer, wie Insekten und den Wind. Auch Regentropfen können für eine Fremdbefruchtung sorgen. Damit Fremdbefruchter reichlich Früchte und Saatgut ansetzen sollte man keinen windstillen Garten haben bezw. seinen Garten Insekten-freundlich mit vielen Blütenangeboten anlegen.
(4.4.2.1.) "Insektenbefruchtete Pflanzen"
Bei den Fremdbefruchtern gibt es Arten, die durch Insekten aller Art bestäubt werden. Durch Blüten und Nektar angelockt fliegen die Insekten mit dem Pollen von einer Blüte zur anderen. Wichtige Bestäuberinsekten sind z.B: Wild- und Honigbienen; Hummeln; Wespen; Schwebfliegen; Käfer; Schmetterlinge und eine ganze andere Reihe von Insekten. Als Insektenbestäuber gibt es z.B: Feuerbohne, Kohl, Kürbis und Radieschen.
(4.4.2.2.) "Windbestäubte Pflanzen"
Bei den Fremdbefruchtern gibt es auch Arten, wo der Wind die Bestäubung übernimmt. Der Wind nimmt die sehr leichten und feinen Pollenkörner auf und transportiert diesen zu anderen Pflanzen dieser Art. Windbestäuber müssen keine Insekten anlocken und bilden daher keine auffälligen Blüten und auch keinen Nektar aus. Als Windbestäuber gibt es z.B: Mais, Amaranth, Rote Rübe und Mangold.


(5.) Bewahrung der Sortenreinheit durch mechanische Isolation und Handbestäubung:

Um bei der Erhaltungsarbeit an alten und seltenen Gemüsesorten die Sortenreinheit zu erhalten und zu garantieren, bestehen verschiedene Möglichkeiten der Isolierung der Samenträger zur Verfügung.
Hier eine kurze Auflistung der verschiedenen Isolations-Methoden:


(5.1.): Die "Räumliche Isolation":
Hierbei werden die verschiedenen Gemüsesorten soweit voneinander entfernt angebaut, dass es während der Blütezeit zu keinem Pollenaustausch kommen kann.
Gemüsesorten die durch den Wind bestäubt werden, werden soweit auseinander gepflanzt dass die Strecke wo die Pollenkörner vom Wind mitgenommen werden können, nicht mehr ausreicht um am anderen Standort dort die Gemüsesorte zu bestäuben.
Gemüsesorten die durch Insekten bestäubt werden, werden soweit auseinander gepflanzt dass der Aktionsradius der Insekten nicht mehr ausreicht um am anderen Standort dort die Gemüsesorte zu bestäuben.
Die räumliche Isolation ist in privaten Kleingärten nur selten zu praktizieren,da meist recht beachtliche Abstände zwischen den einzelnen Gemüsesorten notwendig sind. Ebenso muss man darauf achten dass in den Nachbargärten in der näheren Umgebung keine derartigen Sorten und Arten die man erhalten will, dort blühen.
Mindestabstände sind nur schwer anzugeben da diese von verschiedenen Faktoren wie z.B: Geländegestaltung, Blütenangebot, Hauptwindrichtung und Anzahl der Samenträger u.s.w. stark abhängig sind.


(5.2.): Die "Zeitliche Isolation":
(5.2.1.): Innerhalb eines Jahres:
Diese Methode eignet sich besonders für Gemüsesorten die eine kurze Kulturdauer haben. Durch einen gestaffelten Anbau kann man die verschiedenen Gemüsesorten zeitlich versetzt zur Blüte bringen. Dazu wird die erste Gemüsesorte so früh wie möglich ausgesät. Wenn diese erste Sorte nun mit blühen anfängt, kann man die zweite Sorte aussäen. Sie blüht erst wenn bei der ersten Sorte die Blüten alle verblüht sind und deren Samen meist schon angesetzt haben. Wichtig ist dass von der ersten Gemüsesorte keine Blüte mehr vorhanden sein darf wenn die zweite Sorte ihre Blüten öffnet. Ebenso ist darauf zu achten dass im Nachbargarten zum Blütenzeitpunkt keine anderen Sorten dieser Art stehen dürfen.
(5.2.2.): Über mehrere Jahre:
Anstatt in einem Jahr verschiedene Sorten einer Art anzubauen kann man auch über mehrere Jahre hinweg zeitlich isolieren, indem man nur eine Gemüsesorte pro Art und Jahr anbaut. Da die Samenkörner über mehrere Jahre hinweg keimfähig bleiben kann man trotz einer Sorte pro Jahr mehrere Sorten über mehrere Jahre hinweg erhalten.
(5.3.): Die "Mechanische Isolation":
Die mechanische Isolation ist zwar zeitaufwändiger als die räumliche oder zeitliche Isolation, dennoch ist sie für kleinere Gärten oder Schrebergärten gut geeignet.
Bei dieser Methode wird eine physische Barriere zwischen den einzelnen Gemüsesorten aufgebaut die eine ungewollte Fremdbefruchtung verhindern. Mittels Kulturschutznetzen, Vlies und Fliegengitter lassen sich Sorten von Insekten bestäubenden Sorten sehr gut schützen. Wind bestäubte Sorten sind aber problematischer. Ihre Pollen durchdringen selbst engmaschigen Vlies und stellt somit keine wirksame Barriere da. Wind bestäubte Sorten können somit mit den oben erwähnten Materialien nicht erfolgreich vor Fremdbefruchtung geschützt werden.
320x240 Mechanische Isolation
(5.3.1.): Das "Einsacken":
Diese Praktik beim mechanischen isolieren kann man besonders für die Erzeugung von kleinen Mengen Saatgut praktizieren. Beim einsacken werden einzelne Blüten oder Blütenstände von selbstbefruchtenden Gemüsesorten mit Vlies oder ähnlichen Materialien eingepackt, sprich eingesackt. Es dürfen keine Bestäuberinsekten die eine mögliche Fremdbefruchtung hervorrufen können, an die Blüten gelangen. Daher muss das Vlies oder andere Materialien, die ganze Blüte dicht umschließen und man sollte die Öffnung des Vlies-Sackes unten am Stamm oder Stängel der Pflanze mit einer Schnur zubinden. Das einsacken erfolgt vor dem öffnen der ersten Blüte und sollte erst abgenommen werden wenn mindestens die letzte Blüte komplett abgeblüht ist. Besser man wartet bis die Samenschoten sich zeigen. Nach dem abnehmen des Vlies, die so sortenrein vermehrten Samenträger mit einem farbigen Bindfaden z.B: deutlich markieren.
(5.3.2.): "Isolationstunnels":
Diese Praktik beim mechanischen isolieren kann man besonders für die Erzeugung von größeren Mengen Saatgut praktizieren. Beim isolieren mit Isolationstunnels werden die ganzen Pflanzen oder sogar die ganzen Reihen und Beete einer Gemüsesorte mit Vlies oder ähnlichem Material eingepackt. Je nach Methode (siehe dazu auch die Unter-Abschnitte 3.2.1.; 3.2.2. sowie 3.2.3.) können sowohl selbstbefruchtende als auch fremdbefruchtende bezw. insektenbefruchtende Gemüsesorten unter Isolationstunnels angebaut werden.
320x240 Isolierkabine
Meistens bestehen sie aus einem Holz- oder Drahtrohrgerüst, über das z.B: Vlies, engmaschiges Fliegengitter, Kulturschutznetze u.s.w. drüber gespannt wird. Sie sollten mindestens Platz für etwa 10 Pflanzen gewähren. Für größere Pflanzenzahlen, kann man auch biegsame Eisenstangen in regelmäßigen Abständen halbkreisförmig in die Erde drücken und mit oben genannten Materialien abdecken. Die Ränder werden meist mit Erde zugedeckt. Ein komplettes zudecken, meist niedrig wachsender Gemüsesorten, kann auch mit Vlies oder Kulturschutznetzen die direkt über die Pflanzen gelegt werden, erfolgen. Auch hier werden die Ränder meist mit Erde zugedeckt. Welche Methode Sie schlussendlich praktizieren ist Ihnen überlassen. Wichtig ist immer nur, dass die Pflanzen zu 100% gegenüber einer ungewollten Fremdbefruchtung geschützt sind.
(5.3.2.1.): "Feststehende":
Unter "feststehenden" Isolationstunnels werden die selbstbefruchtenden Gemüsesorten, wo entweder mehrere verschiedene Sorten zeitgleich angebaut, oder wo eine mögliche Fremdbefruchtung durch Insekten nicht ganz ausgeschlossen werden kann, isoliert. Da es sich hier um selbstbefruchtende Gemüsesorten handelt, werden die Pflanzen entweder einzeln oder zu einer Gruppe zusammen, komplett eingepackt unter einem Isolationstunnel. Da hier keine Insektenbefruchtung für eine normale Saatgutentwicklung notwendig bezw. auch unerwünscht ist, belässt man den Isolationstunnel vom Blütenbeginn bis oft zum fertigen Samenkorn, die ganze Zeit über den Pflanzen. Daher wird auch von "feststehenden" Isolationstunnel gesprochen, da diese während ihres Einsatzes nicht bewegt werden.
(5.3.2.2.): "An abwechselnden Tagen":
Diese Methode wird nur für Fremdbefruchtende bezw. Insektenbefruchtende Gemüsesorten benutzt, die zeitgleich abblühen. Es werden mindestens zwei Isolationstunnels benötigt. Maximal sollte man nur bis zu vier verschiedene Gemüsesorten so isolieren, da je mehr Isolationstunnels zum Einsatz kommen, umso weniger Saatgut wird man durch mangelnde Insektenbefruchtung ernten.
Die Methode der Isolationstunnels an abwechselnden Tagen funktioniert generell folgendermaßen: Die zu isolierenden Gemüsesorten werden alle, kurz vor Blühbeginn, je nach Sorte getrennt, unter den Isolationstunnels eingepackt. Mindestens 15 bis 20 Pflanzen pro Gemüsesorte sollte man dazu einpacken unter den Isolationstunnels.
Am Morgen des ersten Tages, wo eine der zu isolierenden Gemüsesorten anfängt aufzublühen, wird von dieser Gemüsesorte der Isolationstunnel für einen Tag lang entfernt, bezw das aufliegende Netz. Während dieser Zeit können die Blüten dieser Gemüsesorte von Insekten befruchtet werden. Am Abend des ersten Tages kommt auf die erste geöffnete Gemüsesorte, die jetzt teilweise befruchtet wurde, wieder der Isolationstunnel oder das Netz drauf.
Am Morgen des zweiten Tages wird von der zweiten Gemüsesorte die aufblüht, der Isolationstunnels bezw. das Netz für einen Tag lang entfernt. Abends nach der teilweisen Befruchtung wird er wieder aufgesetzt, bezw aufgelegt. Man verfährt so im 1-Tages-Rhythmus mit all den restlichen Gemüsesorten, bis man wieder bei der ersten Gemüsesorte angelangt ist. Damit die Pflanzen möglichst viele Samenkörner ansetzen können, sollte man diese Methode solange fortsetzen, bis genügend Samenkörner gebildet sind. Wichtig ist dabei, dass wenn genügend Samenkörner gebildet wurden, man die Isolationstunnels bis zum Ende der Blütezeit der verschiedenen Gemüsesorten, drauf lassen muss, damit es nicht nachträglich zu einer Fremdbefruchtung kommen kann. Erst wenn alle zu isolierenden Gemüsesorten vollständig abgeblüht sind, kann man die Isolationstunnels ganz entfernen.

(5.3.2.3.): "Mit Bestäuberinsekten":
Mit dieser Methode, die zwar aufwendig ist, kann man aber eine große Anzahl von Pflanzen von vielen verschiedenen Gemüsesorten, gleichzeitig sortenrein erhalten. Sie wird für Fremdbefruchtende bezw. Insektenbefruchtende Gemüsesorten eingesetzt die zeitgleich abblühen.
Bestäuberinsekten Bild 1 320x240
Bestäuberinsekten Bild 2 320x240
Die Methode der Isolationstunnels mit Bestäuberinsekten funktioniert generell folgendermaßen: Die zu isolierenden Gemüsesorten werden alle, kurz vor Blühbeginn, je nach Sorte getrennt, unter großen Isolationstunnels eingepackt. Mindestens 15 bis 20 Pflanzen pro Gemüsesorte sollte man dazu einpacken unter dem Isolationstunnel. Ebenso muss man etwas mehr Platz einrechnen, für die Bestäuberinsekten die eingesetzt werden. Sobald eine der isolierten Gemüsesorten mit blühen anfängt, setzt man die Bestäuberinsekten in den jeweiligen Isolationstunnel ein. Nach und nach werden so bei allen isolierten Gemüsesorten unter den Isolationstunnels, Bestäuberinsekten eingesetzt.
Die Bestäuberinsekten erfüllen nun die Aufgabe der Befruchtung der Blüten. Da sie nur an diese Blüten herankommen, kommt es zu keiner ungewollten Fremdbefruchtung und da sie von Blühbeginn, bis zum Blühende unter dem Isolationstunnel dauernd befruchten, gibt es auch keine Ausfälle bei der Saatgutmenge durch mangelnde Insektenbefruchtung wie bei der Methode "an abwechselnden Tagen". Sobald die Blüten einer der isolierten Gemüsesorten abgeblüht sind, kann man die Bestäuberinsekten aus diesem Isolationstunnel entnehmen. Nach und nach werden auch aus den restlichen Isolationstunnels die Bestäuberinsekten nach Blühende herausgenommen. Zur Sicherheit sollte man die Isolationstunnels aber auf den jeweiligen Gemüsesorten belassen bis die Samenbildung anfängt.
Besonders wichtig beim Einsatz von Bestäuberinsekten ist, eine Artgerechte und der jeweiligen Insektenart angepasste Haltung in den Isolationstunnels. Als Bestäuberinsekten eignen sich unter anderem folgende Arten:

  1. Mauerbienen (Osmia rufa): Sie sind relativ leicht in der Zucht und können gezielt zur Bestäubung in den Isolationstunnels eingesetzt werden. Es sind Solitärbienen, die alleine und nicht in einem Volk leben. Generell eignen sich alle wildlebenden Solitärbienen für die Bestäubung.
  2. Schmeißfliegen (Calliphora spp.): Man bekommt sie als Maden (Köder) in vielen Anglergeschäften zu kaufen. Etwa zwei Wochen dauert es bis sich die Maden bei Zimmertemperatur verpuppen und die Fliegen schlüpfen. Schmeißfliegen müssen daher rechtzeitig vor Blühbeginn eingekauft werden.
  3. Mistbienen/Scheinbienen (Eristalis tenax): Die Mistbienen findet man am leichtesten in Misthaufen vor Ort. Die Zucht ist recht aufwendig. Die Eier dieser großen Schwebfliegenart, werden in der Jauche von Misthaufen abgelegt. Die Larven entwickeln sich im Misthaufen und können dort eingesammelt werden. Das Schlüpfen der Mistbienen kann einige Wochen dauern.
  4. Erdhummeln (Bombus terrestris): Man kann die Erdhummeln meist im Gartenhandel oder direkt bei diversen Nützlingsfirmen per Versand kaufen. Da sie weniger "staatenfixiert" sind als Honigbienen, kann man aus den königslosen Hummelvölker die man kauft, Hummeln heraus fangen und in die Isolationstunnels einbringen. Erdhummeln gewöhnen sich rasch an die neue Situation und leisten bei den für sie geeigneten Kulturen, gute Bestäubungsarbeit.
Wichtig: Bitte keine Honigbienen in den Isolationstunnels einsetzen! Es sind soziale Lebewesen, die in der "Gefangenschaft" keine Bestäubungsarbeit leisten, da sie unbedingt zu ihrem Bienenvolk zurückfliegen wollen! Ebenso ist beim Einsatz von Bestäuberinsekten, wie bereits gesagt, auf eine Artgerechte und der jeweiligen Insektenart angepasste Haltung in den Isolationstunnels notwendig! Bitte informieren Sie sich unbedingt vor dem Einsatz von Bestäuberinsekten über deren Haltung und Lebensgewohnheiten!


(5.4.): "Die Handbestäubung":
Die gebräuchlichsten Methoden der sortenreinen Saatgutgewinnung haben Sie bereits gesehen. Neben der mechanischen Isolation wird auch noch sehr häufig die händische Bestäubung angewandt. Diese Methode eignet sich besonders für Gemüsearten die von Insekten befruchtet werden, bezw. ebenso für Windbestäuber wie z.B: den Mais. Im privaten Hausgarten wird diese Methode vor allem bei getrennt-geschlechtlichen Blüten angewandt. Pflanzen mit zwittrigen Blüten sind mit der Handbestäubung nur recht aufwendig sortenrein zu vermehren. Daher werden zwittrige Blüten meist auch nur in der gewerblichen Züchtung eingesetzt bezw. nur von sehr erfahrenen privaten Erhaltern im Hausgarten gebraucht.
Generell funktioniert die Methode der Handbestäubung folgendermaßen: Die Blüten der zu vermehrenden Gemüsesorten werden einzeln oder im ganzen mit Vlies oder ähnlichem eingepackt um sie vor ungewollter Fremdbefruchtung zu schützen. Sobald die Blüten soweit sind, wird die Schutzhaube der Blüten kurz abgenommen. Aufpassen dass während dieser Zeit keine Insekten oder starker Wind weht! Nun werden von den männlichen Blüten reiner Pollen abgenommen und von Hand auf eine empfängliche Narbe einer ebenfalls vor Fremdbefruchtung geschützten Gemüsesorte einer weiblichen Blüte aufgetragen. Nachdem die Befruchtung von Hand geschehen ist, muss die weibliche Blüte vor weiterer ungewollter Fremdbefruchtung weiterhin geschützt werden. Dazu packt man die befruchtete Blüte wieder mit Vlies oder ähnlichem ein und markiert sie mit einem farbigen Bindfaden oder ähnlichem. Sobald die Blüte vollständig abgeblüht ist bezw. die Samenkörner sich bereits entwickeln, kann man die Schutzhaube aus Vlies ganz entfernen. Die Handbestäubung ist also eine Art "künstliche Befruchtung", die jedoch sehr einfach zu handhaben ist. Durch diese Methode kann man ganz gezielt die schönsten und besten Pflanzen in einem Bestand auswählen die den nötigen Kriterien der jeweiligen Gemüsesorte am besten entsprechen. Für Züchtungs- und Selektionsarbeiten an Gemüsesorten eignet sich die Handbestäubung also sehr gut.



(6.) Auslese und Selektionsarbeit:

Neben vielen wichtigen Punkten bei der Saatgutgewinnung ist vermutlich die Arbeit der Auslese und Selektion, eine der wichtigsten Aufgaben. Sorten erhalten, anpassen und weiterentwickeln wird durch die Auslese/Selektion erst möglich. Doch was versteht man unter Auslese und Selektion? Eine kurze Begriffserklärung:
Die Pflanzen die für Saatgutzwecke dienen, werden im allgemeinen nach gewissen Regeln, Vorstellungen, sortentypischen Merkmalen und Wünschen ausgesucht. Dazu selektiert oder liest man aus einem großen Bestand von Pflanzen einer Sorte, nur diejenigen aus, die den vorgegebenen Regeln, den sortentypischen Merkmalen dieser Sorte, den Wünschen und Vorstellungen am nächsten kommen und am meisten sowie am besten entsprechen.
Die Verfahren der Auslese/Selektion sind die traditionellen Methoden der Pflanzenzucht und sind bereits einige tausend Jahre alt und bewährt.
Unsere Nutzpflanzen stammen von Wildpflanzen ab. So wie wir sie heute kennen, sind sie erst durch den Menschen, durch eine lange Auslese/Selektion über viele Generationen hinweg zu dem geworden was sie heute sind.
Bleibt diese stetige Sortenbegleitung aus, verlieren sich meist all die ausgelesenen, bezw. angezüchteten Eigenschaften oft wieder sehr schnell. Nutzpflanzen haben häufig die Neigung sich wieder ihren wilden Vorfahren anzupassen, wenn wir sie nicht begleiten.
Binnen weniger Vermehrungszyklen, ohne eine gezielte Auslese/Selektion, bezw. durch eine falsche Auslese von ungeeigneten Samenträgern, kann eine Sorte somit ihre positiven Eigenschaften wieder verlieren.
Neben einer reinen Erhaltungsarbeit muss man eine Sorte aber auch stetig weiterentwickeln. Eine Sorte soll nicht nur ihr Erscheinungsbild und ihre positiven Eigenschaften behalten, sondern sich auch ständig den wechselnden Umweltbedingungen anpassen.
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(6.1.) Auslese/Selektions-Verfahren:
Grundsätzlich kann in drei verschiedene Richtungen ausgelesen werden:
          1) Erhaltende Populations-Auslese
          2) Negative-Auslese
          3) Positive-Auslese
(6.1.1.) Erhaltende Populations-Auslese:
Wie der Name es schon vermuten lässt, wird bei der erhaltenden Populations-Auslese, der Schwerpunkt auf die Erhaltung von so viel verschiedenen Merkmalen innerhalb der Population gelegt. Quer durch den Bestand werden einzelne Pflanzen ausgesucht, die zwar dem Sortenbild der zu vermehrenden Sorte entsprechen, die aber nicht unbedingt perfekt sind in ihrer Gesamtheit. Mit dieser Methode kann man das ganze Spektrum an Merkmalen in einer Population erhalten. Man hält sich alle Wege für die Zukunft offen. Eine gezielte Verbesserung oder Weiterentwicklung der Sorte ist aber nur bedingt möglich.
(6.1.2.) Negative-Auslese:
Bei der Negativen-Auslese werden nur die Pflanzen aus dem Bestand entfernt, die dem gewünschten Sortenbild nicht entsprechen, die kümmerlich wachsen oder krank sind. Alle verbleibenden Pflanzen werden für die Saatgutgewinnung genutzt. Auch hier sind die ausgesuchten Pflanzen nicht alle perfekt und haben noch ein recht großes Spektrum an verschiedenen Merkmalen.
(6.1.3.) Positive-Auslese:
Bei der Positiven-Auslese werden nur die Pflanzen aus dem Bestand ausgesucht, welche die allerbesten sind. Die Positive-Auslese ermöglicht die gezielte Verbesserung oder Weiterentwicklung einer Sorte. Da hierbei jedoch nur die allerbesten Pflanzen zurück behalten werden, ist das Spektrum an verschiedenen Merkmalen innerhalb der Population eingeschränkt.
(6.2.) Allgemeine Auslese- und Selektionskriterien:
Neben den spezifischen Auslesekriterien des jeweiligen Sortenbildes einer bestimmten Sorte, gibt es auch eine Reihe von allgemeingültigen Auslesekriterien. Hier sollen kurz die wesentlichsten Punkte aufgelistet werden:
(6.2.1.) Geschmacks-Eigenschaften:
Oft schmecken moderne Sorten gleichbleibend nach nichts. Um dies zu ändern sollten Sie die Pflanzen die Sie zu Samenträgern bestimmen, vorher kosten. Nicht jede Möhre schmeckt gleich süß. Nicht jeder Paprika hat den richtigen Biss und nicht jedes Blatt eines Salates ist gleich zart. Auch Gemüse was eingelagert wird, sollte vor dem wieder aufpflanzen im zweiten Jahr als Samenträger vorher geschmacklich bewertet werden. Nur so können Sie sicher sein dass das was Sie in Zukunft essen wollen, bezw. was Sie an der jeweiligen Sorte schätzen nicht nur erhalten, sondern auch ausgeprägter wird.

(6.2.2.) Resistenz gegenüber Wetterschwankungen:
Trockenheit, Kälte, Regen, Wind und Schnee, um nur diese zu nennen, sind nicht jedes Jahr gleich ausgeprägt. Mit jedem Anbaujahr werden die Pflanzen unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt. Pflanzen die eine große Trockenheit überstanden haben oder solche die dem Frost über Winter getrotzt haben, werden in Zukunft mit diesen klimatischen Eigenschaften besser zurecht kommen als andere. Meist nimmt uns die Natur die Arbeit dieser Auslese ab, da ja nur die Pflanzen überleben, die die Fähigkeit besitzen mit den vorherrschenden klimatischen Eigenschaften zurecht zu kommen. Eine gezielte Weitervermehrung dieser Pflanzen bringt Vorteile beim nächsten Anbau.

(6.2.3.) Toleranz auf Krankheiten und Schädlinge:
Man kann die Natur nie komplett ausschalten. Immer wieder werden unsere Nutzpflanzen wohl von Schädlingen und Krankheiten befallen. Betreiben wir aber bei jedem Anbau eine Auslese auf die Toleranz bei Schädlings- und Krankheitsbefall unserer Nutzpflanzen, und lesen jedes mal nur die aus dem Bestand aus, die nicht oder nur sehr wenig erkrankt sind, bauen wir eine natürliche Barriere gegenüber Krankheiten und Schädlingen auf. Wir werden wohl nie ganz Mehltau und Blattläuse loswerden, können es ihnen aber mit unserer Auswahl auf Pflanzen die ihnen trotzen, es zumindest schwerer machen unsere Nutzpflanzen so zu schädigen dass sie eingehen.

(6.2.4.) Frühzeitigkeit:
Wer möchte nicht schon Früchte ernten wenn andere noch darauf warten müssen? Die Auslese auf Frühzeitigkeit bringt Pflanzen hervor, die früher als andere Pflanzen dieser Sorte bereits einen Ertrag erzielen. Besonders bei Pflanzen die aus klimatisch anderen Gegenden stammen kann es, bedingt durch unsere kurze Vegetationsperiode, vorteilhaft sein auf Frühzeitigkeit hin auszulesen.

(6.2.5.) Spätreife:
Genau die umgekehrte Frage, wer möchte nicht noch Früchte ernten, wenn andere bereits fertig sind? Pflanzen die auf Spätreife hin ausgelesen werden, sollen noch Früchte bringen wenn andere schon länger keine mehr bringen. Auch eine Ernteverlängerung mit diesen Pflanzen ist möglich.

(6.2.6.) Ertrag und Fruchtbehang:
Sicherlich ist ein großer Ertrag mit vielen Früchten ganz im Sinne des Anbauers. Die größten Tomaten, der schwerste Kürbis, die dickste Kartoffel. Um den Ertrag quantitativ zu erfassen, muss insbesondere bei Fruchtgemüse, von jeder Pflanze einzeln über die gesamte Saison abgeerntet, gewogen bezw. gezählt werden. Nur so lässt sich ermitteln welche der Pflanzen im Bestand einen wirklich guten Ertrag erbracht haben. Man sollte aber neben dem Ertrag auch eine regelmäßige Ernte und einen guten Fruchtbehang nicht außer Acht lassen. Ebenso sollte man auch die vielen anderen Aspekte bei der Auslese nicht vernachlässigen.

(6.2.7.) Einlagerung:
Besonders die Leute die Ihr Gemüse für den Winter einlagern wollen ist eine Auslese auf eine gute und lange Einlagerung im Keller oder anderswo sinnvoll. Die Kürbisse im Lager die am längsten essbar sind, die Zwiebeln die als letztes austreiben, die Knollen die am längsten gesund bleiben oder die die am längsten zart und genussvoll bleiben, sind diejenigen die für die Auslese auf eine gute Einlagerung in Frage kommen.

(6.2.8.) Andere mögliche Auslese-Kriterien:
Neben diesen allgemeinen Auslesekriterien gibt es auch noch andere Punkte auf die man bei der Auswahl der geeigneten Samenträger achten kann. Meist werden diese Punkte aber schon während der Auslese auf das jeweilige Sortenbild angewandt. Hier einige Beispiele:
  • Die richtige Färbung von Wurzeln, Früchten und Blüten.
  • Wuchsfreudigkeit, Standfestigkeit und Schossfestigkeit.
  • Platzfestigkeit, zarte Fruchthaut, keine Bitterstoffe.
  • Blattform und Blattfarbe.
  • Nicht holzige oder schwammige oder Hohlräume in Knollengemüse.


(7.) Populationsgröße und Genetische Vielfalt:
Populationsgrösse Bild 1 320x240
Nutzpflanzen sind bei jedem Anbau unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt. In einer Saison kann es einen trocknen heißen Sommer geben und in der nächsten z.B: einen kühlen und regnerischen. Aber auch die Niederschläge, Frosteinwirkungen, Hagel, Bodenbedingungen, Nährstoffverfügbarkeit, sowie Krankheiten wie Pilzbefall oder Schädlinge können von einer Saison zur anderen extrem schwanken. Solche Schwankungen beeinflussen unsere Kulturpflanzen wesentlich, sowohl negativ als auch positiv.
Baut man also während einer Saison zu wenige Pflanzen einer Art/Sorte an, kann es sein dass der viel zu kleine Bestand nicht die nötige genetische Variabilität besitzt um den vorherrschenden Wetterverhältnissen oder Umweltbedingungen zu trotzen und schlimmstenfalls ganz ausfällt.
Baut man hingegen einen größeren Bestand von einer Art/Sorte an, ist die genetische Variabilität größer und man stellt fest, dass einzelne Pflanzen aus diesem großen Bestand besser mit der vorherrschenden Wetterlage oder Umweltbedingungen zurechtkommt als die anderen.
Diese Pflanzen sind wahrscheinlich auch in den nächsten Anbaujahren, so flexibel und beweglich dass sie unterschiedlichen Umweltbedingungen standhalten. Solche Pflanzen besitzen also eine gute Anpassungsfähigkeit, die stets eine gute und sichere Ernte garantieren.
Aber auch für die Auslese und Selektionsarbeit ist es enorm wichtig einen größeren Bestand einer Art/Sorte pro Saison anzubauen. Wenn Sie z.B: nur eine einzige Tomatenpflanze einer Sorte anbauen, wie wollen Sie da feststellen ob diese Pflanze die beste ist? Es gibt ja keine Vergleichspflanzen. Je mehr Tomatenpflanzen Sie von dieser Sorte anbauen, umso mehr Auswahl haben Sie um aus diesem großen Bestand heraus die wirklich schönsten Pflanzen als Samenträger auszuwählen.
Die spätere Ernte beginnt bereits beim Samenkorn, achten Sie besonders darauf! Lieber einige wenige Arten/Sorten optimal vermehren, als viele Arten/Sorten und diese nur mangelhaft!
Wenn Sie aus einem zu kleinen Bestand, von schlecht ausgewählten Samenträgern Saatgut abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch auch nur schlechte Pflanzen mit wenig Anpassungsfähigkeit und ebenso eine schlechte oder geringere Ernte zu haben.
Nehmen Sie hingegen aus einem großen Bestand, von gut ausgewählten Samenträger Saatgut abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch bessere Pflanzen mit einer großen Anpassungsfähigkeit und somit eine höhere und sichere Ernte zu haben.
Als Richtlinie für die Bestandsgröße der Samenträger nach der Selektion und Auslese, sollte man bei Selbstbestäubern 20 bis 25 Pflanzen und bei Fremdbestäubern 40 bis 50 Pflanzen gemeinsam abblühen lassen.

Populationsgrösse Bild 2 320x240
Deshalb immer einen groß möglichsten Bestand pro Art/Sorte in einer Saison anbauen oder wenn der Platz im Garten nicht ausreichend ist, sich zumindest an die Mindestanzahl von Samenträger halten.
Diese Mindestanzahl von Samenträger erfahren Sie für die einzelnen Gemüsearten unter der Rubrik: "Sortenerhalt der einzelnen Gemüsearten" .


(8.) Saatgutreinigungsmethoden:
Zwischen der Ernte und der Lagerung erfolgt der wichtige Arbeitsschritt der Saatgutreinigung. Nur gut gereinigtes Saatgut sollte später eingelagert werden.
Bei der Saatgutreinigung unterscheidet man zwischen zwei großen Methoden:
  • Die Nassreinigung: Diese erfolgt bei Fruchtgemüse wie z.B: Tomaten, Gurke, Auberginen. Melonen, u.s.w.
  • Die Trockenreinigung: Diese erfolgt bei Pflanzen deren Samen in Hülsen, Schoten oder ähnlichem enthalten sind, wie z.B: Bohnen, Mais. Salat, Radieschen, u.s.w.
(8.1.) Die Nassreinigung:
Die Nassreinigung bei Fruchtgemüse kann mit oder ohne Gärung erfolgen und ist in drei Etappen aufgebaut:
  • Etappe 1: Die Samenentfernung aus der Frucht mit anschließender Vergärung oder ohne Vergärung.
  • Etappe 2: Der Waschvorgang um die Samen zu reinigen.
  • Etappe 3: Die Trocknung der Samenkörner.
(8.1.1.) Die Nassreinigung mit Gärung:
(8.1.1.1.) Die Samenentfernung:
Generell gilt, keine angefaulten Früchte für die Saatgutgewinnung nutzen. Nur große und gut ausgereifte Früchte werden verwendet und mit einem Messer aufgeschnitten. (Tomaten nicht von oben nach unten, sondern mittig durchschneiden, damit alle Fruchtkammern geöffnet werden.) Anschließend die Samen mit dem anhaftenden Fruchtfleisch mittels eines Löffels in ein Glas/Behälter ausschaben.
Kleine Früchte werden nicht einzeln aufgeschnitten, sondern in einem Glas/Behälter zerdrückt. Werden viele kleine Früchte verarbeitet, lohnt sich die Anschaffung eines Mixers mit Behälteraufsatz. Hierbei wird 1/3 Früchte und 2/3 Wasser in den Behälter des Mixers eingefüllt und stoßweise (kein Dauer-Mixvorgang benutzen!), die Früchte zerkleinert. Dabei verhindert das zugegebene Wasser, dass die Samenkörner beschädigt werden beim Mix-Vorgang.
Das gewonnene Fruchtfleisch, der Saft und die Samenkörner werden in einem Glas/Behälter nun für einige Tage lang vergären gelassen und gelegentlich umgerührt. Dabei das verwendete Gefäß nicht dicht abschließen, da sich durch die Vergärung ein Druck aufbaut!
Je nach Temperatur (23-30ºC), läuft die Vergärung schneller oder langsamer ab. Dabei kann sich an der Oberfläche eine dünne Hefeschicht bilden. Durch gelegentliches umrühren, kann man der Bildung dieser Hefeschicht entgegenwirken.
Wer sich mit der Vergärung noch nicht auskennt, kann mittels einer Fingerprobe ermitteln ob die Samenhülle abgebaut ist oder nicht. Wenn sich die Samen nicht mehr glitschig sondern rau anfühlen, ist die Vergärung abgeschlossen und die Samenkörner sollen dann schnellstmöglich gereinigt und getrocknet werden.

(8.1.1.2.) Der Waschvorgang:
Die vergärte Brühe in ein großes Glas oder durchsichtigen Behälter umschütten, reichlich Wasser hinzugeben und kräftig umrühren. Die schweren Samen sinken zu Boden, das leichtere Fruchtfleisch und taube Samen steigen nach oben. Nun das Fruchtfleisch und die tauben Samen abgießen. Aufpassen dass die unten im Glas befindlichen Samenkörner nicht mit abgegossen werden. Dieser Abschütt-Vorgang mit Wasserzugabe muss einige Male wiederholt werden, bis das Wasser vollkommen klar bleibt und nur mehr die Samenkörner enthält.
Anschließend die Samenkörner in ein engmaschiges Sieb geben, wo Sie nicht durchfallen können und kurz mit klarem Wasser abspülen.

(8.1.1.3.) Die Trocknung:
Nachdem die Samenkörner gereinigt sind ist es sehr wichtig dass diese rasch getrocknet werden, damit sie nicht anfangen zu keimen.
Die Unterseite des Siebes, wo sich die gereinigten Samenkörner befinden, kann mit einem sauberen und trockenen Tuch abgetupft werden, um damit viel der verbleibenden Flüssigkeit an den Samenkörnern, aufzusaugen.
Danach werden die Samenkörner aus dem Sieb auf Porzellanteller, Holzbrettchen, dicker Pappe, Fliegengitter oder ähnlichem verteilt. Nicht geeignet als Unterlage sind Papier, Küchenrollen-Papier, Stoff oder Plastikfolien. Die getrockneten Samen kann man von diesen Oberflächen später nur sehr schwer abbekommen.
Die Unterlagen mit den Samenkörner an einen warmen Ort (23-30ºC) luftig aufstellen und beschriften. Die Samen sollen nach maximal 1 Tag getrocknet sein.
(8.1.2.) Die Nassreinigung ohne Gärung:
Diese läuft eigentlich fast identisch ab wie die Nassreinigung mit Gärung, so dass hier nur abweichende Punkte erklärt werden.
Da die Samen bei diesem Verfahren nicht vergärt werden, werden die Samen nach dem auslösen aus dem Fruchtfleisch nur in ein Sieb gegeben und unter fließendem Wasser gereinigt.
Sollte sich dabei das Fruchtfleisch nur schwer von den Samenkörnern trennen, so kann ein 12 bis 24-stündiges Wasserbad hilfreich sein. Dazu die Samen mit dem Fruchtfleisch in ein Glas/Behälter geben, Wasser hinzufügen und kühl aufstellen. Wichtig, das Ganze nicht warm stellen, da sonst eine unerwünschte Vergärung auftritt. Das Wasserbad dient lediglich dazu das Gewebe des Fruchtfleisch von den Samen abzulösen.
Nach 12 oder 24 Stunden das Ganze kräftig umrühren bezw. in einem verschließbaren Glas/Behälter schütteln und in einem Sieb dann unter fließendem Wasser reinigen.
Alle anderen Schritte sind identisch wie bei der Nassreinigung mit Gärung!
(8.2.) Die Trockenreinigung:
Die Trockenreinigung bei Pflanzen mit Hülsen/Schoten oder dergleichen ist in drei große Etappen aufgebaut:
  • Etappe 1: Das trocknen der Samenkörner oder Hülsen/Schoten.
  • Etappe 2: Das ausdreschen des Saatgutes.
  • Etappe 3: Das reinigen des Saatgutes.
(8.2.1.) Das Trocknen:
Das Trocknen der Samenträger oder Hülsen/Schoten erfolgt auf zwei verschiedenen Wegen:
  • Weg 1: Trocknen der Samen an der Pflanze.
  • Weg 2: Nachtrocknen der Samenstände im Haus / Notreife.
Generell gilt für das Trocknen der fertig gereinigten Samen, dass diese mindestens 1 Woche lang bei Temperaturen zwischen (23-30ºC) gut getrocknet werden. Temperaturen über 35ºC, besonders wenn sie längerfristig auf die Samenkörner einwirken, beschädigen den Keimling im Samenkorn. Finden sich keine geeigneten Orte zum Trocknen, kann auch mittels Silikagel getrocknet werden. Siehe hierzu auch: "Saatguttrocknung mit Silika-Gel" .
320x240 Saatgut Trocknung
(8.2.1.1.) Trocknen der Samenkörner an der Pflanze:
Bei anhaltender trockener Witterung ist es vorteilhafter die Samen in den Hülsen/Schoten an den Samenträger trocknen zu lassen. Entweder man erntet laufend die bereits reifen, trockenen Hülsen/Schoten einzeln von den Samenträgern oder man wartet bis alle Hülsen/Schoten eines Samenträgers reif und trocken sind, rauft sie dann alle zeitgleich ab oder schneidet den ganzen Samenträger ab.
Besser, aber zeitaufwendiger ist sicherlich das laufende durchpflücken der einzelnen Hülsen/Schoten. Werden die Hülsen/Schoten gerauft oder gar die ganzen Samenträger geerntet, wird hierdurch der spätere Reinigungsprozess erheblich erschwert. Ob man die Hülsen/Schoten nun einzeln oder die ganzen Samenträger erntet und später reinigt, ist jedem selbst überlassen.

(8.2.1.2.) Nachtrocknen der Samenstände im Haus:
Besonders bei lang anhaltenden Regen- oder Schlechtwetter-Perioden ist es nur schwer die Hülsen/Schoten trocken von den Samenträgern zu ernten. Auch in kühlen Gegenden wo der Frost frühzeitig einsetzt oder bei spät ausreifenden Sorten ist eine Trocknung an der Pflanze wegen Frosteinwirkung und Verpilzung der Samenkörner nicht möglich und eine Notreife ist notwendig.
Daher werden in diesen Fällen die Samenträger ab einem gewissen Reifepunkt, meist wenn 50% oder mehr Hülsen/Schoten reif und trocken sind, ganz abgeschnitten und ohne Wurzeln kopfüber an einem trocknen und frostfreiem Ort aufgehängt zum nachtrocknen.
Ebenso können auch die an der Pflanze gereiften und getrockneten Hülsen/Schoten gerne nach-getrocknet werden im Haus, was sich positiv auf die Saatgutqualität auswirkt.
Bei Samenträger deren Hülsen/Schoten noch grün und nicht reif sind, aber im Freiland nicht mehr abreifen würden, kann man die Samenträger auch mit den Wurzeln herausnehmen, diese dann eintopfen und an einem hellen, aber frostfreien Ort zum abreifen aufstellen.
(8.2.2.) Das Ausdreschen des Saatgutes:
Durch den Dreschvorgang wird das Saatgut aus den Hülsen/Schoten befreit. Bei kleinen Saatgutmengen kann man das Saatgut händisch aus den Hülsen/Schoten herauspallen. Größere Mengen lassen sich aber einfacher und schneller ausdreschen.
Da die Hülsen/Schoten der einzelnen Gemüsearten sehr unterschiedlich sind und auch unterschiedlich beim ausdreschen reagieren, gibt es daher auch verschiedene Dreschmethoden.
320x240 Dreschen
(8.2.2.1.) Samen die in leicht brüchigen Kapseln oder Blattachseln sitzen:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Spinat, Lein, u.s.w.
Entweder man streift die Hülsen/Schoten von Hand von den Samenträger ab oder man gibt die Samenträger in einen Sack und schlägt sie gegen eine Wand. Die Samen fallen dabei aus und sammeln sich am Boden des Sackes.

(8.2.2.2.) Samen die fest von Hülsen/Schoten umgeben sind:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Radieschen, Endivien, Rettich, u.s.w.
Die Samenträger in einen Sack packen und auf einer relativ festen Unterlage wie eine alte Decke mit einem Dreschflegel (z.B: ein alter Spatenstiel) ausdreschen oder den Sack mit Füßen austreten.
Ebenso kann man die Hülsen/Schoten (keine ganzen Samenträger) in einen großen Kübel geben und mit sauberen Schuhen darin austreten.

(8.2.2.3.) Samen die sich leicht aus den Hülsen/Schoten lösen:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Erbsen, Bohnen, Kohlarten,u.s.w.
Die Samenträger in einen Sack packen und auf einer weichen Unterlage wie eine alte Matratze mit einem Dreschflegel (z.B: ein alter Spatenstiel) behutsam ausdreschen.
Ebenso kann man die Hülsen/Schoten (keine ganzen Samenträger) in einen großen Kübel geben und mit sauberen Schuhen darin behutsam austreten.
Besonders bei großkörnigen Samenkörnern unbedingt behutsam ausdreschen oder austreten. Beim ausdreschen dabei immer wieder den Sack neu aufschütteln und drehen während des Dreschvorgangs. Schlägt man zu fest zu können die Samenkörner Schaden nehmen.
(8.2.3.) Das Reinigen des Saatgutes:
Nachdem die Samenkörner aus den Hülsen/Schoten befreit sind, geht es ans reinigen. Dies sollte so gründlich wie möglich vollzogen werden, da alle Erdteile, Stängel- und Pflanzen-Reste, Krankheitserreger auf das Saatgut übertragen können.
Um das Saatgut zu reinigen gibt es verschiedene Methoden, die einzeln oder auch kombiniert angewandt werden können. Meistens sind mehrere Wiederholungen der einzelnen Reinigungsvorgänge nötig, damit das Saatgut vollständig gereinigt ist.
(8.2.3.1.) Reinigen von Hand:
Diese Methode eignet sich nur für sehr kleine Mengen an Saatgut. Dabei werden die Samenkörner oder die Verunreinigungen mit den Fingern oder einer Pinzette händisch aussortiert.

(8.2.3.2.) Die Siebreinigung:
Die Siebreinigung ist eine einfache und schnelle Methode um das Saatgut zu reinigen. Man benutzt dazu Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten.
Als Erstausstattung an Sieben kann man sich evtl. folgende Siebe anschaffen:
320x240 Holzrandsiebe
Grobe Siebe:
Nr: 2 (Maschenweite 11,7mm)

Nr: 12 (Maschenweite 1,80mm)
Mittlere Siebe:
Nr: 14 (Maschenweite 1,40mm)

Nr: 18 (Maschenweite 1mm)
Feine Siebe:
Nr: 24 (Maschenweite 0,80mm)

Nr: 40 (Maschenweite 0,50mm)
Schlitzsiebe:
Mit 1,0-1,2mm breiten Schlitzen

Je mehr verschiedene Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten Sie sich anschaffen, umso leichter und sorgfältiger können Sie Ihr Saatgut reinigen.
Um mit Sieben das Saatgut zu reinigen, geht man folgendermaßen vor:
Beim ersten durchsieben benutzt man ein Sieb dessen Maschenweite so groß ist, dass die zu reinigenden Samenkörner gerade noch hindurch fallen können. Diese erste Grobreinigung befreit sehr schnell das Saatgut von dem meisten Unrat und groben Pflanzenteilen. Die Ausgangsmenge die zu sieben ist, schrumpft durch diese erste Grobreinigung schnell zusammen.
Anschließend benutzt man ein Sieb dessen Maschenweite kleiner ist, als die zu reinigenden Samenkörner. Hierbei fallen dann die kleineren Staub- und Pflanzenteile aus.
Durch das benutzen von unterschiedlichen Siebgrößen wird das Saatgut also in mehreren Durchgängen immer sauberer.

(8.2.3.3.) Trennung nach Gewicht:
Das zu reinigende Saatgut in eine Schüssel oder ein feinmaschiges Sieb geben und dieses dann leicht rütteln, schwingen und kreisförmig bewegen. Die schweren Samenkörner wandern bei dem Vorgang nach unten, die leichteren Pflanzenteile sammeln sich an der Oberfläche.
Entweder nimmt man behutsam die oberen Pflanzenteile von Hand weg, oder hält die Schüssel bezw. das Sieb leicht schräg und pustet die leichteren Pflanzenteile weg. Vorgang so lange wiederholen bis nur mehr sauberes Saatgut übrig bleibt.

(8.2.3.4.) Die Windreinigung:
Die Saatgut-Reinigung in so genannten Schwung-Sieben (große und feinmaschige Siebe) ist sehr effizient, jedoch ein Meisterstück der Saatgut-Reinigung.
Ungeübte sollen auf jeden Fall ein Tuch unten drunter auslegen bevor sie beginnen. Das zu reinigende Saatgut wird in ein Schwung-Sieb gefüllt und mit beiden Händen hochgehalten. Den Schwung-Sieb mit einer raschen Abwärtsbewegung "fallen" lassen und derweil den Schwung-Sieb rasch zur Seite wegziehen. Da die Pflanzenteile und taube Samen leichter sind als das Saatgut, steigen diese durch die rasche Abwärtsbewegung hoch und durch das wegziehen des Schwung-Siebes zur Seite, fallen die Pflanzenteile und tauben Samen zum Boden. Die schwereren Samenkörner verbleiben hingegen im Schwung-Sieb.
Während der Abwärtsbewegung und dem wegziehen des Schwung-Siebes zur Seite, sollte man sich mitbewegen und in die Knie gehen. Dies erleichtert den Vorgang erheblich gegenüber einer starren Körperhaltung.

(8.2.3.5.) Das Ausblasen:
Kleine und leichte Verunreinigungen können aus einer flachen Schale auch leicht ausgeblasen werden. Auch ein kleiner Ventilator oder ein Haarföhn (nur mit Kaltluft-Gebläse arbeiten), können sanft dosiert kleine leichte Verunreinigungen wegblasen.

(8.2.3.6) Die Wasserreinigung:
Bei manchen Samenkörnern wie z.B: Zwiebeln kann nach der Trockenreinigung auch eine Wasserreinigung sinnvoll sein. Dazu in ein Gefäß Wasser und das zu reinigende Saatgut schütten. Schwere, keimfähige Samenkörner sinken zu Boden, Pflanzenreste und taube Samen sind leichter und schwimmen oben an der Wasseroberfläche und können abgeschüttet werden. Anschließend das Saatgut sofort wieder trocknen.
(8.3.) Handauslese des gereinigten Saatgutes:
Ist das Saatgut fertig gereinigt sollte man es vor dem einlagern nochmals von Hand kontrollieren. Dabei werden beschädigte, von Pilzkrankheiten befallene Samen und evtl. Verkreuzungen von Hand aussortiert. Hierbei das geerntete Saatgut mit einer Probe des Original-Saatgutes vergleichen und nicht sortentypische Samenkörner entfernen.


(9.) Saatgutlagerung:
(9.1.) Allgemeines:
Das einlagern des geernteten Saatgutes kann entweder kurzfristig (einige Jahre) mittels der so genannten "Offenen Saatgutlagerung" oder längerfristig (einige Jahrzehnte) mittels der "Tiefkühllagerung" , erfolgen.
Als allgemeine Regeln bei beiden Lagerungs-Methoden sind folgende Punkte zu beachten um Saatgut sicher und erfolgreich zu lagern:

320x240 Saatgutlagerung
  • Trockenes Saatgut:
Niemals sollte man feuchtes Saatgut einlagern, da es verschimmelt und unbrauchbar wird. Saatgut nur in ganz trockenem Zustand einlagern. Je trockener desto länger behält es seine Keimkraft.
  • Kühle Lagerung:
Temperaturen im Bereich von 1ºC bis 10ºC gelten als optimal um Saatgut zu lagern. Wichtig ist dass die Temperaturen konstant bleiben und nicht kurzfristig schwanken.
  • Trockene Lagerung:
Einer der größten Feinde um Saatgut zu lagern ist eine hohe Luftfeuchtigkeit. Falls zu der Feuchtigkeit auch noch Wärme hinzukommt, bereiten sich Pilze und Bakterien aus und schädigen die eingelagerten Samen. Je geringer die Luftfeuchtigkeit ist, desto optimaler die Lagerbedingungen.
  • Dunkle Lagerung:
Saatgut sollte immer dunkel gelagert werden. Bei größeren Mengen sollte man einen speziell dafür vorgesehenen Raum benutzen. Bei kleinen Saatgutmengen kann schon eine dunkle Kiste ausreichen.
  • Bruchsichere und Luftdichte Lagergefäße:
Kunststoff-Behälter mit Drehverschluss und Dichtung sind optimal für die Saatgutlagerung. Sie zerbrechen nicht und das Saatgut hat durch die Luftdichte Einlagerung wenig Luftkontakt und durch die verlangsamte Atmung wird es nicht so schnell alt.
  • Schädlings-sicher:
Die Samenkörner unbedingt vor den wichtigsten Lagerschädlingen wie z.B: Mäusen, Ratten, Bohnenkäfer, Mehlmotten und anderen Insekten schützen.
(9.2.) Offene Saatgutlagerung (Kurzfristige Lagerung):
Die offene Saatgutlagerung ist die am meisten angewandte Methode der Saatgutlagerung. Offen heißt in dem Sinne dass die Samen sofort, ohne Einfrieren und Auftauen wie bei der Tiefkühllagerung, stets griffbereit sind, also offen zugänglich sind während der gesamten Gartensaison.
Wenn die Allgemeinen Saatgut-Lagerungs-Punkte alle eingehalten werden, ist die offene Saatgutlagerung mit einem regelmäßigen Anbau der eingelagerten Sorten, die einfachste, kostengünstigste und für den normalen Hausgärtner ausreichende Form der Saatgutlagerung.
Neben den bereits erwähnten allgemeinen Punkten der Saatgut-Lagerung, sollte man bei der offenen Saatgutlagerung zusätzlich auch noch folgende Dinge beachten:
320x240 Offene Saatgutlagerung
  • Keine Papiertüten oder Pappschachteln oder ähnliches verwenden, da sie gegenüber Feuchtigkeit und Schädlingen keinen wirksamen Schutz darstellen.
  • Papiertüten, Plastikbeutel, Säcke u.s.w. sollten wenn möglich nicht verwendet werden, da in den Ecken, besonders bei kleinsamigen Sorten, Samenkörner hängen bleiben können und dies zu einer ungewollten Vermischung der Sorten führt. Falls dennoch solche Materialien zur Saatgutlagerung benutzt werden, diese dann unbedingt nur einmal verwerten und nicht für neue oder andere Sorten wiederverwerten.
  • Bewahren Sie immer Saatgut Ihrer vorhergehenden Anbausaisonen auf und dies am besten getrennt voneinander. Da Saatgut, wenn gut gelagert, einige Jahre lang keimfähig bleibt, können Sie bei Ausfall einer Anbausaison noch auf die vorhergehende Saatguteinlagerung dieser Sorte zurückgreifen. Ebenso können Sie bei Misserfolg in Sachen Auslese und Selektion, wenn sich die Sorte durch eine falsche Auslese in die falsche Richtung bewegt, immer noch auf eine ursprünglichere Saatgutpartie zurückgreifen. Eine Art "Reset-Funktion" also. Falls Sie nicht für jedes Anbaujahr einer Sorte ein eigenes Gefäß haben, können Sie die einzelnen Saatgutpartien in wieder verschließbare Druckverschlussbeutel einzeln einfüllen und platzsparend mehrere Anbausaisonen einer Sorte in einem Gefäß lagern.
  • Das eingelagerte Saatgut immer gut und am besten immer doppelt beschriften. Die Beschriftung sollte außen sichtbar und innen nochmals zur Kontrolle angebracht werden. Ebenso sollte man immer eine Dokumentation über die einzelnen Sorten erstellen. Lesen Sie hierzu den Abschnitt: "Beschriftung und Dokumentation des eingelagerten Saatgutes" .
  • Saatgut-Erhalter die in größerem Umfang Saatgut einlagern, können hierfür einen extra dafür vorgesehenen Raum verwenden, in dem Sie die Temperaturführung mittels Klimaanlage und die Luftfeuchtigkeit mittels Luftentfeuchter steuern und in einem optimalen Bereich halten können.
(9.3.) Tiefkühllagerung (Längerfristige Lagerung):
Die Tiefkühllagerung ist im Gegensatz zur offenen Saatgutlagerung nicht so flexibel in der Handhabung. Dennoch bietet sie neben einer längerfristigen Lagerung auch noch zusätzliche Vorteile:
  • Bei -18ºC/-20ºC behalten die Samen mindestens 10 Jahre, bei manchen Sorten sogar über 20 Jahre ihre Keimfähigkeit.
  • Bei Selektion / Auslese bezw. Züchtung kann eine Tiefkühllagerung vom Original-Saatgut nach 10 oder 20 Jahren dazu dienen um die gesteckten Ziele der Selektion bezw. Züchtung anhand der "Original-Saatgut-Partie" zu vergleichen und zu kontrollieren.
  • Es gibt Gemüsearten, die schon nach kurzer Zeit (einigen Monaten bezw. nach 1 Jahr) ihre Keimkraft fast gänzlich verloren haben. Da man meist sehr viel Saatgut erntet, kann man so bei einer Tiefkühllagerung mehrere Jahre von dieser Saatgutmenge profitieren, als eben nur für 1 Anbausaison.
  • Ebenso können bei Gemüsearten die schnell ihre Keimkraft verlieren, durch die Tiefkühllagerung, mit ihrer dann verlängerten Saatgutlebensdauer, auch mehrere verschiedene Sorten dieser Gemüseart erhalten werden, da diese ja nicht wegen des schnellen Keimkraftverlustes jedes Jahr mehr angebaut werden müssen.
  • Wie bei der offenen Saatgutlagerung bereits erwähnt, sollte man für Notfälle immer Saatgut-Partien von mehreren Anbausaisonen aufbewahren. Mittels der Tiefkühllagerung kann man die Anzahl der Saatgut-Partien der vorhergehenden Anbausaisonen drastisch erhöhen, da ja die Keimfähigkeit durch das einfrieren, über die normale Lebensdauer hinweg bestehen bleibt.
Bei der Tiefkühllagerung ist im Gegensatz zur offenen Saatgutlagerung folgendes zusätzlich zu beachten:
  • Das Saatgut muss sehr gut getrocknet werden, bevor es eingefroren wird. Da feucht eingefrorenes Saatgut sich durch das gefrierende Wasser ausdehnt, was ja im Samenkorn enthalten ist, werden die Zellwände und der Keimling zerstört. Saatgut was also tiefgefroren wird, muss unbedingt ein Feuchtigkeitsgehalt unter 8% haben. Um dies zu erreichen wird das Saatgut über Silika-Gel getrocknet. Siehe hierzu auch: "Saatguttrocknung mit Silika-Gel" .
  • Eingefrorenes Saatgut was gelagert wird, sollte nur sehr selten aus der Tiefkühltruhe oder dem Behälter in dem es sich befindet, entnommen werden. Bei Temperaturschwankungen nimmt die Keimfähigkeit schnell ab. Daher ist eine Entnahme von gefrorenem Saatgut auf das absolut notwendige zu beschränken.
  • Tiefgefrorenes Saatgut niemals direkt aus der Tiefkühltruhe nehmen und gleich aussäen oder zwischenlagern. Saatgut was entnommen wird muss langsam auftauen. Dies geschieht am besten 1 Tag lang im Kühlschrank.
    • Wird das Saatgut für eine anschließende Aussaat benutzt, sollte es noch einige Tage in normaler Zimmerluft ausgebreitet werden damit es langsam wieder Feuchtigkeit aufnehmen kann und sich somit an die feuchten Anbaubedingungen gewöhnen kann.
    • Wird das aufgetaute Saatgut nicht gleich verwendet und zwischengelagert muss es bei etwa 20ºC-25ºC einige Tage nach dem auftauen im Kühlschrank offen nach-getrocknet werden damit es nicht feucht in die Lagerbehälter kommt.
(9.4.) Saatguttrocknung mit Silika-Gel:
Um das Saatgut für die Tiefkühllagerung optimal zu trocknen geht man folgendermaßen vor:
Materialbedarf:
  • Ein Behälter mit Luftdichtem Verschluss.
  • Trockenes Silika-Gel.
  • Papiertütchen.
  • Eine Waage.
  • Beschriftungsmaterial.
  • Saatgut.
Jede Saatgutsorte, die später eingefroren werden soll, wird in ein Papiertütchen eingefüllt und sorgfältig beschriftet. Das Gesamtgewicht der einzelnen Saatgutpäckchen wird mit der Waage festgestellt. Dann wiegt man genau so viel Silika-Gel ab. Nun werden das Silika-Gel und die Saatgutpäckchen zusammen in einen Behälter eingefüllt und Luftdicht verschlossen.
Das Silika-Gel nimmt nun die Feuchtigkeit auf. Sowohl große wie kleine Samen erreichen nach 7-8 Tagen den optimalen Feuchtigkeitsgehalt. Bei großen Samenkörner wie z.B: Bohnen und Mais liegt die restliche Feuchtigkeit bei ca 6-8%. Bei kleinen Samenkörner wie z.B: Tomaten und Paprika liegt die restliche Feuchtigkeit bei etwa 4-5%. Große Samenkörner sollten nicht unter 5% und kleine nicht unter 3% Feuchtigkeit getrocknet werden, da sie ansonsten Schaden nehmen könnten.
Nach 7-8 Tagen werden die Saatgutpäckchen aus dem Silika-Gel herausgenommen und werden dann in einen luftdichten Behälter eingefüllt oder in metallbeschichteten Säckchen eingeschweißt und eingefroren. Da die trockenen Samenkörner nach der Silika-Gel-Trocknung hygroskopisch sind und daher an der Luft schnell wieder Feuchtigkeit aufnehmen, müssen die getrockneten Samenkörner schnellstmöglich luftdicht umgefüllt und eingefroren werden. Auf eine sorgfältige Beschriftung der einzelnen Sorten ist selbstverständlich zu achten.
(9.5.) Beschriftung und Dokumentation des eingelagerten Saatgutes:
Auch wenn Sie nur einige Sorten vermehren, sollten Sie stets auf eine gute und ausreichende Beschriftung Ihres Saatgutes achten.
WICHTIG:
Insbesondere um Verwechslungen zu vermeiden und auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Sie immer alles doppelt, also Päckchen/Behälter außen wie innen beschriften!

(9.5.1.) Beschriftung:
Alle Samenpäckchen oder Behälter müssen sowohl bei offener wie auch bei der Tiefkühllagerung sorgfältig beschriftet werden. Eine gute Beschriftung enthält folgende Angaben unbedingt:
  • Kulturart (z.B: Puffbohne)
  • Sortenname (z.B: Großbohne vom Lötschtal)
  • Erntejahr (z.B: 2011)
  • Sortencode ( z.B: PU-B/G/001)
Zusätzlich können bei der Beschriftung auch noch angegeben werden:
  • Erntestandort (z.B: Kraizschouschteschgaart)
  • Bemerkungen (z.B: Verkreuzungen, Krankheiten oder sonstige wichtige Details)
  • Saatgutmenge (z.B: +/- 800gr)
(9.5.2.) Dokumentation:
Neben der Beschriftung der Behälter/Päckchen, sollte jeder ernsthaft arbeitende Erhalter eine ausführliche Dokumentation über die einzelnen Sorten, entweder per Karteikarten oder Mittels Computer führen.
Diese Aufzeichnungen sollten mindestens folgende Punkte umfassen:
  • Die oben bereits erwähnten Angaben der Beschriftung
  • Namen und alle ursprünglichen Quellen von wo das Saatgut herstammt.
  • Eingangsjahr wo man selbst das Saatgut erhalten hat.
  • Keimfähigkeit in Prozenten.
  • Datum des letzten Anbaujahres.
  • Datum des nächsten Anbaujahres.
  • Angabe ob die Sorte zusätzlich in der Tiefkühllagerung abgesichert ist.
  • Datum der Saatguteinlagerung von der offenen und gegebenenfalls auch der Tiefkühllagerung.
  • Sortenbeschreibung, um die Veränderungen einer Sorte über die Anbaujahre hinweg zu dokumentieren.


(10.) Verschiedenes:
(10.1.) Prüfung der Keimfähigkeit:
Bei guter Lagerung und einer guten Saatgutqualität lassen sich viele Gemüsearten problemlos mehrere Jahre einlagern und behalten eine hohe Keimfähigkeit. Die tatsächliche Lagerfähigkeit des eingelagerten Saatgutes ist aber abhängig von der Samenreife. Schlecht oder nur teilweise ausgereiftes Saatgut ist wesentlich kürzer lagerfähig, wie gut oder ganz ausgereiftes Saatgut. Will man auf Nummer Sicher gehen, dass das Saatgut das man für mehrere Jahre einlagern will, auch eine hohe Keimfähigkeit hat, muss man eine sogenannte Keimprobe durchführen. Insbesondere bei der aufwendigeren Tiefkühllagerung kann man sich durch eine hohe Keimfähigkeit des Saatgutes, spätere Misserfolge ersparen.
Materialbedarf:
  • Papierhandtücher / Küchenrolle.
  • Wasserdichte Schalen.
  • Plastiktüte mit Luftlöchern.
  • Pinzette.
  • Beschriftungsmaterial.
  • Thermometer.
  • Eine Stelle mit konstanter Temperatur.
  • Sprühflasche.
  • Saatgut.
  • (Mindestens 20K. besser 100K. / Sorte.)

Um eine Keimprobe durchzuführen, müssen Sie mindestens 20 Korn, besser aber 100 Korn pro Sorte auf ein gut durch feuchtetes Papierhandtuch / Küchenrolle, einzeln auslegen. Eine Pinzette kann da hilfreich sein. Die einzelnen Samenkörner sollten sich nicht berühren, damit evtl. anhaftende Pilze sich nicht von einem Samenkorn zum nächsten übertragen. Sind alle Samenkörner ausgelegt wird mit einem zweiten Stück feuchtem Papierhandtuch / Küchenrolle die Samen zugedeckt.
Nun können Sie das Ganze entweder in eine wasserdichte Schale offen auslegen oder Sie rollen die zweilagigen feuchten Tücher mit den darin befindlichen Samenkörner zusammen und legen diese Rolle in eine dünne Plastiktüte, die mit Luftlöchern versehen ist.
Ob Sie offen auslegen oder in Plastiktüten die Samen zum keimen bringen, ist Ihnen überlassen. Experimentieren Sie ein bisschen, da einzelne Arten mit der einen oder anderen Methode besser keimen.
Nach diesen Vorbereitungen müssen Sie eine Stelle finden, die gleichmäßig temperiert ist und keine starken Temperaturschwankungen aufweist. Ideal sind Temperaturen von 20ºC-25ºC. Kontrollieren Sie auf jeden Fall regelmäßig die Temperatur Mittels eines Thermometers. Optimale Temperaturen ergeben optimale Keimergebnisse.
Falls Sie mehrere Sorten gleichzeitig auf ihre Keimfähigkeit hin prüfen wollen, sollten Sie unbedingt die einzelnen Sorten mit einem wasserfesten Stift, gut beschriften. Gemüseart; Sortenname und Datum sollten Sie dabei vermerken.
Je nach Gemüseart erfolgt eine erste Kontrolle und Auszählung in der Regel nach 7 Tagen. Da die Samenkörner nicht alle miteinander keimen, müssen Sie mehrmals kontrollieren. In der Zwischenzeit immer wieder die Tücher mit den Samenkörner mit einer Sprühflasche befeuchten.
Nach 7 Tagen sollten Sie also ein erstes Mal Auszählen und dabei die bereits gekeimten Samenkörner entfernen und alles genau notieren. Bei Gemüsearten die schnell keimen genügen zwei Auszählungen. Bei langsam keimenden Arten evtl. noch ein drittes Mal auszählen. Als grobe Richtwerte für die Keimdauer bei schnell und langsam keimenden Gemüsearten, können folgende gelten: z.B: alle Doldenblütler 3-4 Wochen; Tomaten und Paprika 1-2 Wochen; Hülsenfrüchtler 1 Woche.
Nach zwei oder gegebenenfalls drei Auszählungen, addieren Sie die gekeimten Samenkörner zusammen und drücken Sie das Ganze in Prozente aus. Wenn z.B: von 100 ausgelegten Samenkörner 50 Stück gekeimt sind, ergibt dies eine Keimfähigkeit von 50%. Je höher die Keimfähigkeit des einzulagernden Saatgutes ist, desto länger lässt es sich problemlos aufbewahren.


(11.) Schritt-für-Schritt Anleitungen allgemeiner Techniken für die Saatgutgewinnung


Einzelne Blüten isolieren
Einzelne Blüten isolieren 120x150
Einschlag Wurzelgemüse in Hobelspänen
Avator Einschlag Hobelspäne 120x150
Selektion und Auslese
Selektion und Auslese 120x150
Saatgut dreschen und reinigen.
Beispiel Bohnen

120x150 Avator Saatgut dreschen Beispiel Bohnen
Saatgut dreschen und reinigen.
Beispiel Kolbenhirse

120x150 Avator Saatgut dreschen Beispiel Kolbenhirse
Materialbedarf Saatgutgewinnung allgemein
120x150 Avator Materialbedarf Saatgutgewinnung Allgemein
Zweijährige Samenträger überwintern.
Beispiel Endivien
Avator Zweijährige Samenträger überwintern Endivien 120x150
Zweijährige Samenträger topfen.
Beispiel Mangold
Avator Zweijährige Samenträger topfen Mangold 120x150