Techniken Saatgutgewinnung:
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Sie finden auf dieser Seite eine Einführung in die allgemeinen Techniken der eigenen Saatgutgewinnung für den privaten Hausgarten. Mit diesem Wissen können Sie in Ihrem Garten Ihr eigenes, sortenreines Saatgut von verschiedenen Gemüsepflanzen, selbst gewinnen, so wie dies früher in jedem Hausgarten üblich war.
Um dies zu verwirklichen, erhalten Sie die dazu nötigen Informationen und Erklärungen  auf dieser und weiteren Rubriken meiner Webseite.

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120x150 Dreschen
120x150 Saatgutlagerung
Unter der auf dieser Seite befindlichen Rubrik:
"Techniken zur Saatgutgewinnung" finden Sie:
  • Theoretische Einführung zum Thema.
  • Generelle Informationen über die Saatgutgewinnung im privaten Hausgarten.
  • Arbeitsanleitungen mit Schritt-für-Schritt Erklärungen über die Saatgutgewinnung.
  • Materialbedarf .
  • Verschiedenes.
Unter der Rubrik "Sortenerhalt der einzelnen Gemüsearten" finden Sie:
  • Gezielte Informationen und Arbeitsanleitungen für die Saatgutgewinnung der verschiedenen einzelnen Gemüsearten.

Inhaltsverzeichnis dieser Seite:
  1. Ein paar Gedanken als Einleitung.
  2. Warum Saatgut selbst ernten?
  3. Was benötigt man zur Saatgutgewinnung?
  4. Grundlagenwissen der Botanik.
    1. Kleines Einmaleins der Pflanzeneinteilung.
    2. Die Blüte.
      1. Zwitterblüte.
      2. Einhäusigkeit.
      3. Zweihäusigkeit.
    3. Aufbau der Blüte.
    4. Befruchtung der Blüte.
      1. Selbstbefruchter.
      2. Fremdbefruchter.
        1. Insektenbefruchtete Pflanzen.
        2. Windbestäubte Pflanzen.
  5. Bewahrung der Sortenreinheit durch mechanische Isolation und Handbestäubung.
    1. Die Räumliche Isolation.
    2. Die Zeitliche Isolation.
      1. Innrhalb eines Jahres.
      2. Über mehrere Jahre.
    3. Mechanische Isolation.
      1. Einsacken.
      2. Isolationskäfige.
        1. Feststehende.
        2. An abwechselnden Tagen.
        3. Mit Bestäuberinsekten.
    4. Handbestäubung.
  6. Auslese und Selektionsarbeit.
  7. Populationsgrößen und Genetische Vielfalt.
  8. Saatgutreinigungsmethoden.
    1. Die Nassreinigung.
      1. Die Nassreinigung mit Gärung.
        1. Die Samenentfernung.
        2. Der Waschvorgang.
        3. Die Trocknung.
      2. Die Nassreinigung ohne Gärung.
    2. Die Trockenreinigung.
      1. Das Trocknen.
        1. Trocknen der Samenkörner an der Pflanze.
        2. Nachtrocknen der Samenstände im Haus.
      2. Das Ausdreschen des Saatgutes.
        1. Samen die in leicht brüchigen Kapseln oder Blattachseln sitzen.
        2. Samen die fest von Hülsen/Schoten umgeben sind.
        3. Samen die sich leicht aus den Hülsen/Schoten lösen.
      3. Das Reinigen des Saatgutes.
        1. Reinigen von Hand.
        2. Die Siebreinigung.
        3. Trennung nach Gewicht.
        4. Die Windreinigung.
        5. Das Ausblasen.
        6. Die Wasserreinigung.
    3. Handauslese des gereinigten Saatgutes.
  9. Saatgutlagerung.
    1. Allgemeines.
    2. Offene Saatgutlagerung (Kurzfristige Lagerung).
    3. Tiefkühllagerung (Längerfristige Lagerung).
    4. Saatguttrockenung mit Silika-Gel.
    5. Beschriftung und Dokumentation des eingelagerten Saatgutes.
      1. Beschriftung.
      2. Dokumentation.
  10. Verschiedenes.
    1. Prüfung der Keimfähigkeit / Keimprobe.
  11. Schritt-für-Schritt Anleitungen allgemeiner Techniken für die Saatgutgewinnung.
    1. Einzelne Blüten isolieren.
    2. Ganze Pflanze isolieren.
    3. Selektion und Auslese.
    4. Saatgut dreschen und reinigen am Beispiel Bohnen.
    5. Saatgut dreschen und reinigen am Beispiel Kolbenhirse.
    6. Materialbedarf Saatgutgewinnung allgemein.
    7. Zweijährige Samenträger überwintern am Beispiel Endivien


(1.) Ein paar Gedanken als Einleitung:
Zahlreiche Menschen in unserer modernen Zivilisation haben keinen Kontakt mehr zu einem Garten und seinen vielfältigen Nutzpflanzen darin. Dies hat die unterschiedlichsten Gründe. Zum einen bekommen viele Leute keine Möglichkeit mehr einen Garten anzulegen, da sie zb: in Appartementwohnungen leben. Zum anderen haben, oder nehmen wir uns oft keine Zeit mehr Gartenarbeit zu tätigen. Unsere Gesellschaft ist im Streß! Zeitmangel! Egal wo und bei wem man sich umschaut. Es ist leider "uncool" geworden, seine kostbare Zeit in einem Garten zu "vergeuden".
Falls man heute Kinder in der Grundschule befragt, wessen Eltern einen Garten besitzen, bleibt es zunehmend immer öfter stumm. Viele Eltern haben keine Zeit, keine Lust oder auch keine direkte Möglichkeit einen Garten zu bewirtschaften. Auf die Fragen was man denn in einem Garten bei uns anbauen kann, bekommt man sehr oft nur noch unsere paar hochgezüchteten Allerwelts-Sorten die im Supermarkt zu finden sind und alle erdenklichen Exoten von den Kindern, aber auch schon von Erwachsenen aufgelistet. Die heutigen Generationen von Kindern, die ohne einen Garten aufwachsen, sind die Erwachsenen von morgen, die nie einen Garten kennengelernt haben und ihn auch nicht vermissen. Jahrtausende alte Traditionen werden in einigen Generationen verschwunden sein. Das ist keine Utopie! Im Gegenteil, wir sind auf dem besten Wege diese Utopie reale Wirklichkeit werden zu lassen!
Dennoch gibt es auch noch Lichtblicke. Kinder, deren Eltern auch heute noch einen Garten besitzen und Gemüse dort anbauen, haben viel mehr Interesse an allem Lebendigem, sind oft sehr gut informiert, sind aktiver und lebenslustiger und haben eine gute Basis Grundwissen, falls sie später einmal im grünen Bereich tätig werden oder sogar darin arbeiten. Dies sind nur einige Beispiele wie sich die Gartenarbeit positiv auf Kinder und natürlich auch auf Erwachsene auswirkt. Es ist selten einer im Garten zum Stubenhocker geworden. Jeder noch so kleinste Garten hat tausendmal mehr zu bieten, als jedes noch so "Reality-nahe" virtuelles Computerspiel!
Wirsing geschossen 320x240
Kohl Blüte 320x240
Sie sehen wie wichtig es ist das kulturelle Erbe sowie die alten Traditionen unserer Vorfahren auch heute noch lebendig zu halten. Oder wer von uns will schon seine schönen Kindheitserinnerungen, als man zb: mit dem Grossvater die Kartoffeln gerntet hat und später beim verbrennen des Laubes diese sogleich im Feuer gegart und anschliessend gegessen hat, vermissen? Oder welche Kinderaugen haben nicht verwundert dreingeschaut, als die Großmutter selbst geerntete Saatkörner in die Erde gelegt hat und später dort die wunderbarsten Gemüsesorten gewachsen sind? Es sind oft unscheinbare und unspektakuläre Dinge in unserem Leben, die uns prägen und ein ganzes Leben lang begleiten. Ein Garten wird Sie und Ihre Kinder ein Leben lang begleiten und Ihnen so viele glückliche Momente und Stunden bescheren, wie keine Shoppingtour in unserer Konsumwelt Ihnen es je bieten kann!
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(2.) Warum Saatgut selbst ernten?:
Diese Frage bekomme ich meist als allererstes gestellt. Warum also Saatgut selbst ernten, wo man doch überall problemlos Saatgut zu fast geschenkten Preisen kaufen kann? Dafür gibt es mehrere gute Gründe, wie ich denke.
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(3.) Was benötigt man zur Saatgutgewinnung?
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In erster Linie benötigen Sie ein Stück Land in dem Sie Ihr Gemüse anbauen können. Ein Balkon reicht für einzelne Arten oft auch schon aus. Freude am gärtnern und etwas Zeit sind ebenfalls sehr hilfreich. Ansonsten benötigen Sie verschiedene Untensilien für die unterschiedlichen Gemüsearten. Am besten Sie fangen mit einigen Sorten an wo Sie immer dieselben Utensilien gebrauchen können. Sobald Sie sich etwas eingearbeitet haben, werden Sie sich automatisch an immer mehr und immer "schwierige" Arten heranwagen. Beachten Sie daß das Garten-Hobby sehr schnell zur Garten-Leidenschaft werden kann, an der Sie viel Freude haben werden.
An Utensilien brauchen Sie unter anderem nachstehende Dinge (Siehe dazu auch: "Materialbedarf Saatgutgewinnung allgemein" )
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  • Messer
  • Löffel
  • Kübel
  • Siebe
  • Holzrandsiebe
  • Schüsseln / Schalen
  • Vlies / Gaze
  • Bestäuberinsekten
  • Haarfön / Ventilator
  • Alte Decke
  • Alte Matratze
  • Abfülltrichter
  • Papiersäcke
  • Dreschflegel (zB: alter Spatenstiel)
  • Planen zum Unterlegen
  • Aufbewahrungsbehälter
  • Stifte
  • Etiketten
  • Waage
  • Luftdichte Kisten
  • Siebtisch mit Rand
  • Kaffeefilter
  • Ort zum Trocknen
  • Lagerort für Saatgut
  • Erdkeller für zweijährige Samenträger
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(4.) Grundlagenwissen der Botanik:
(4.1.) Kleines Einmaleins der Pflanzeneinteilung:
Alle Pflanzen werden nach ein und demselben Muster der binären Nomenklatur klassifiziert. Das heißt für jede familienangehörige Pflanze wird ein zweigliedriger Artenmane verwendet. Dazu kommen noch spezifische Sortennamen und gegebenenfalls auch noch Lokalbezeichnungen der Gattung und Art.
Die Einteilung erfolgt also folgendermaßen: (Beispiel Puffbohne)

Familie:
Fabaceae
Gattung:
Vicia
Art:
faba
Sortenname:
z.B: "Kleine Braune"
z.B: "Breustedts Sterntaler"
z.B: ".......
Lokalname:
Ackerbohne / Pferdebohne / Saubohne / Dicke Bohne

Als "Familie" wird die große Gruppe der Pflanzen angesehen die ähnliche botanische Eigenschaften haben. Typisch ist die  Familieneinteilung auf Grund von ähnlichen Blüten- und Fruchtstrukturen.
Als "Gattung" bezeichnet man die natürlichen Untergruppen der "Familie". "Gattungen" sind Gruppen von Pflanzen, die stark miteinander verwandt sind und nähere morphologische Ähnlichkeiten besitzen.
Als "Art" bezeichnet man die Unterteilung der "Gattung" in kleinere überschaubare Gruppen die ähnliche Merkmale aufweisen.
Der "Sortenname" ist eigentlich die letzte Einteilungsstufe. Er teilt die "Art" in die einzelnen Sorten (Individuen) auf. Jede Sorte hat ihre ganz spezifischen Eigenschaften.
Der "Lokalname" ist bei der Nomenklatur nicht unbedingt notwendig. Er wird jedoch oft als Orientierungshilfe mit angegeben.


(4.2.) Die Blüte:
Die Blüten der Pflanzen stechen meist mit auffälligen Farben und Formen hervor und ziehen nicht nur die Blicke der Menschen auf sich, sondern locken auch die zur Bestäubung notwendigen Insekten an. Die wichtigsten Teile, die der Fortpflanzung der Pflanzen dient, sind im innern der Blüte verborgen. Der Fruchtknoten mit der weiblichen Ei-Anlage und die Staubgefäße die den männlichen Pollen bilden. Der Aufbau der Blüten kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Für die jeweiligen Pflanzenfamilien ist der Aufbau aber immer nach einem typischen Muster ausgebildet. Trotz der Vielgestaltigkeit der Blüten bei den jeweiligen Pflanzenarten, erfolgt der innere Aufbau der Blüte stets einem der drei nachstehenden Schemata: "Zwitterblüte"; "Einhäusigkeit" und "Zweihäusigkeit".
(4.2.1.) "Zwitterblüte":
Als Zwitterblüte beschreibt man die Blüten an einer Pflanze, wo sowohl die weiblichen, als auch die männlichen Blütenorgane zur Fortpflanzung in einer Blüte zusammen zu finden sind. Bei diesen Pflanzen deren Blüten Zwitterblüten sind, hat jede Pflanze und dies in jeder Blüte, sowohl weibliche, als auch männliche Blütenorgane zusammengefaßt. Als Beispiele für Zwitterblüten kann man z.B: Bohnen, Karotten, Salate, Porree, Radieschen und Tomaten nennen. Neben diesen Pflanzen gibt es auch noch Einhäusig und Zweihäusig blühende Pflanzen.
(4.2.2.) "Einhäusigkeit":
Als Einhäusigkeit beschreibt man die getrennt-geschlechtlichen Blüten an einer Pflanze. Bei diesen Pflanzen die Einhäusig blühen, gibt es sowohl rein weibliche, als auch rein männliche Blüten, an ein und derselben Pflanze. Als Beispiele für Einhäusige Pflanzen kann man z.B: Kürbisse, Gurken, Melonen und Mais nennen. Diese Pflanzen haben also weibliche Blüten und männliche Blüten an einer Pflanze, jedoch sind die Geschlechter nicht in einer einzelnen Blüte (wie bei der Zwitterblüte) zusammen, sondern getrennt voneinander auf dieser Pflanze zu finden.
(4.2.3.) "Zweihäusigkeit":
Als Zweihäusigkeit beschreibt man die getrennt-geschlechtlichen Blüten auf verschiedenen Pflanzen. Bei diesen Pflanzen die Zweihäusig blühen, gibt es also rein weibliche Pflanzen mit nur weiblichen Blütenorganen und ebenso gibt es auch rein männliche Pflanzen mit nur männlichen Blütenorganen. Als Beispiele für Zweihäusige Pflanzen kann man z.B: Spinat und Spargel nennen. Im Gegensatz zu Zwitterblütigen-Pflanzen und Einhäusig blühenden Pflanzen, benötigt man bei den Zweihäusig blühenden Pflanzen also immer zwei Pflanzen zur Fortpflanzung bezw. Vermehrung.


(4.3.) Aufbau der Blüte:
Schematischer Aufbau der Blütenorgane einer Zwitterblüte :

Die Blüte einer Zwitterblüte enthält sowohl männliche wie weibliche Blütenorgane.
Unter dem Oberbegriff: "Staubgefäße" , werden die männlichen Organe zusammengefaßt.
Es sind dies: Staubbeutel und Staubfaden .

Unter dem Oberbegriff: "Stempel" , werden die weiblichen Organe zusammengefaßt.
Es sind dies: Narbe , Griffel und Fruchtknoten .
350x270 Schematischer Aufbau der Blütenorgane einer Zwitterblüte


(4.4.) Befruchtung der Blüte:

Bei der Bestäubung gelangen die männlichen Pollenkörner auf die weibliche Narbe. Dies kann grob unterteilt auf dem Wege der Selbstbefruchtung oder der Fremdbefruchtung stattfinden. Fließende Übergänge gibt es wie überall in der Natur auch hier. Wenn also ein Pollenkorn auf die empfängnisbereite Narbe gelangt, wird dieser zum auskeimen angeregt. Aus dem Pollenkorn heraus wächst ein Schlauch durch den langen Griffel bis in die Samenanlage hinein. Dort angekommen tritt die männliche Geschlechtszelle aus dem Pollenschlauch aus und vereinigt sich mit der weiblichen Eizelle. Dieser Vorgang wird als Befruchtung bezeichnet. Nach erfolgreicher Befruchtung beginnt die Zelle sich zu teilen und die Samenanlage beginnt anzuschwellen. Der Keimling wächst heran.
(4.4.1.) "Selbstbefruchter"
Bei den Selbstbefruchtern befruchtet sich die Pflanze selbst. Der blüteneigene Pollen bestäubt die Narbe. Es gibt sogar Arten da kann die Bestäubung sogar in der noch geschlossenen Blüte erfolgen, was auch als "Kleistogamie" bezeichnet wird. Beispiele hierfür sind: Bohnen der Art Phaseolus vurgaris, Erbsen, Salate, Sojabohnen und Tomaten.
Neben der Kleistogamie gibt es auch noch sogenannte Potentielle Selbstbefruchter. Diese können sich zwar selbst bestäuben, aber auch eine Fremdbefruchtung ist möglich. Erfolgt bei diesen keine Fremdbefruchtung gehen sie zur Selbstbefruchtung über. Als Beispiele kann man nennen: Puffbohne, Aubergine und Paprika. Da Potentielle Selbstbefruchter eine Fremdbefruchtung zulassen muß man bei mehreren Sorten der selben Art diese vor Verkreuzungen schützen.
Da manche Selbstbestäuber den Wind oder Insekten benötigen, damit diese den Pollen auf die Narbe "rütteln", muß man in windstillen Gewächshäusern oder in Isolationstunnels über ein mechanisches "Rütteln" der Pflanzen für eine optimale Bestäubung sorgen, ansonsten setzen diese Pflanzen nur sehr wenig Früchte und Samen an.
(4.4.2.) "Fremdbefruchter"
Bei der Fremdbefruchtung wird im Gegensatz zur Selbstbefruchtung, Pollen einer anderen Pflanze auf der Narbe deponiert. Da Pflanzen im Unterschied zu Tieren und dem Mensch immobil sind, benötigen Fremdbefruchter für ihre Bestäubung Helfer, wie Insekten und den Wind. Auch Regentropfen können für eine Frembefruchtung sorgen. Damit Fremdbefruchter reichlich Früchte und Saatgut ansetzen sollte man keinen windstillen Garten haben  bezw. seinen Garten Insektenfreundlich mit vielen Blütenangeboten anlegen.
(4.4.2.1.) "Insektenbefruchtete Pflanzen"
Bei den Fremdbefruchtern gibt es Arten, die durch Insekten aller Art bestäubt werden. Durch Blüten und Nektar angelockt fliegen die Insekten mit dem Pollen von einer Blüte zur anderen. Wichtige Bestäuberinsekten sind z.B: Wild- und Honigbienen; Hummeln; Wespen; Schwebfliegen; Käfer; Schmetterlinge und eine ganze andere Reihe von Insekten. Als Insektenbestäuber gibt es z.B: Feuerbohne, Kohl, Kürbis und Radieschen.
(4.4.2.2.) "Windbestäubte Pflanzen"
Bei den Fremdbefruchtern gibt es auch Arten, wo der Wind die Bestäubung übernimmt. Der Wind nimmt die sehr leichten und feinen Pollenkörner auf und transportiert diesen zu anderen Pflanzen dieser Art. Windbestäuber müssen keine Insekten anlocken und bilden daher keine auffälligen Blüten und auch keinen Nektar aus. Als Windbestäuber gibt es z.B: Mais, Amaranth, Rote Rübe und Mangold.


(5.) Bewahrung der Sortenreinheit durch mechanische Isolation und Handbestäubung:

Um bei der Erhaltungsarbeit an alten und seltenen Gemüsesorten die Sortenreinheit zu erhalten und zu garantieren, bestehen verschiedene Möglichkeiten der Isolierung der Samenträger zur Verfügung.
Hier eine kurze Auflistung der verschiedenen Isolations-Methoden:


(5.1.): Die "Räumliche Isolation":
Hierbei werden die verschiedenen Gemüsesorten soweit voneinander entfernt angebaut, daß es während der Blütezeit zu keinem Pollenaustausch kommen kann.
Gemüsesorten die durch den Wind bestäubt werden, werden soweit auseinander gepflanzt daß die Strecke wo die Pollenkörner vom Wind mitgenommen werden können, nicht mehr ausreicht um am anderen Standort dort die Gemüsesorte zu bestäuben.
Gemüsesorten die durch Insekten bestäubt werden, werden soweit auseinander gepflanzt daß der Aktionsradius der Insekten nicht mehr ausreicht um am anderen Standort dort die Gemüsesorte zu bestäuben.
Die räumliche Isolation ist in privaten Kleingärten nur selten zu praktizieren,da meist recht beachtliche Abstände zwischen den einzelnen Gemüsesorten notwendig sind. Ebenso muß man darauf achten daß in den Nachbargärten in der näheren Umgebung keine derartigen Sorten und Arten die man erhalten will, dort blühen.
Mindestabstände sind nur schwer anzugeben da diese von verschiedenen Faktoren wie z.B: Geländegestaltung, Blütenangebot, Hauptwindrichtung und Anzahl der Samenträger u.s.w. stark abhängig sind.


(5.2.): Die "Zeitliche Isolation":
(5.2.1.): Innerhalb eines Jahres:
Diese Methode eignet sich besonders für Gemüsesorten die eine kurze Kulturdauer haben. Durch einen gestaffelten Anbau kann man die verschiedenen Gemüsesorten zeitlich versetzt zur Blüte bringen. Dazu wird die erste Gemüsesorte so früh wie möglich ausgesät. Wenn diese erste Sorte nun mit blühen anfängt, kann man die zweite Sorte aussäen. Sie blüht erst wenn bei der ersten Sorte die Blüten alle verblüht sind und deren Samen meist schon angesetzt haben. Wichtig ist daß von der ersten Gemüsesorte keine Blüte mehr vorhanden sein darf wenn die zweite Sorte ihre Blüten öffnet. Ebenso ist darauf zu achten daß im Nachbargarten zumBlütenzeitpunkt keine anderen Sorten dieser Art stehen dürfen.
(5.2.2.): Über mehrere Jahre:
Anstatt in einem Jahr verschiedene Sorten einer Art anzubauen kann man auch über mehrere Jahre hinweg zeitlich isolieren, indem man nur eine Gemüsesorte pro Art und Jahr anbaut. Da die Samenkörner über mehrere Jahre hinweg keimfähig bleiben kann man trotz einer Sorte pro Jahr mehrere Sorten über mehrere Jahre hinweg erhalten.
(5.3.): Die "Mechanische Isolation":
Die mechanische Isolation ist zwar zeitaufwändiger als die räumliche oder zeitliche Isolation, dennoch ist sie für kleinere Gärten oder Gärten in Schreberanlagen gut geeignet.
Bei dieser Methode wird eine physische Barriere zwischen den einzelnen Gemüsesorten aufgebaut die eine ungewollte Fremdbefruchtung verhindern. Mittels Kulturschutznetzen, Vlies und Fliegengitter lassen sich Sorten von Insektenbestäubenden Sorten sehr gut schützen. Windbestäubte Sorten sind aber problematischer. Ihre Pollen durchdringen selbst engmaschigen Vlies und stellt somit keine wirksame Barriere da. Windbestäubte Sorten können somit mit den oben erwähnten Materialien nicht erfolgreich vor Fremdbefruchtung geschützt werden.
320x240 Mechanische Isolation
(5.3.1.): Das "Einsacken":
Diese Praktik beim mechanischen isolieren kann man besonders für die Erzeugung von kleinen Mengen Saatgut praktizieren. Beim einsacken werden einzelne Blüten oder Blütenstände von selbstbefruchtenden Gemüsesorten mit Vlies oder ähnlichen Materialien eingepackt, sprich eingesackt. Es dürfen keine Bestäuberinsekten die eine mögliche Fremdbefruchtung hervorrufen können, an die Blüten gelangen. Daher muß das Vlies oder andere Materialien, die ganze Blüte dicht umschließen und man sollte die Öffnung des Vlies-Sackes unten am Stamm oder Stengel der Pflanze mit einer Schnur zubinden. Das einsacken erfolgt vor dem öfnen der ersten Blüte und solte erst abgenommen werden wenn mindestens die letzte Blüte komplett abgeblüht ist. Besser man wartet bis die Samenschoten sich zeigen. Nach dem abnehmen des Vlies,die so sortenrein vermehrten Samenträger mit einem farbigen Bindfaden z.B: deutlich markieren.
(5.3.2.): "Isolationskäfige":
Diese Praktik beim mechanischen isolieren kann man besonders für die Erzeugung von größeren Mengen Saatgut praktizieren. Beim isolieren mit Isolationskäfigen werden die ganzen Pflanzen oder sogar die ganzen Reihen und Beete einer Gemüsesorte mit Vlies oder ähnlichem Material eingepackt. Je nach Methode (siehe dazu auch die Unter-Abschnitte 3.2.1.; 3.2.2. sowie 3.2.3.) können sowohl selbstbefruchtende als auch fremdbefruchtende bezw. insektenbefruchtende Gemüsesorten unter Isolationskäfigen angebaut werden.
Isolationskäfige können schnell selbst angefertigt werden. Meistens bestehen sie aus einem Holz- oder Drahtrohrgerüst, über das z.B: Vlies, engmaschiges Fliegengitter, Kulturschutznetze u.s.w. drübergespannt wird. Sie sollten mindestens Platz für etwa 10 Pflanzen gewähren. Für größere Pflanzenzahlen, kann man auch biegsame Eisenstangen in regelmäßigen Abständen halbkreisförmig in die Erde drücken und mit oben genannten Materialien abdecken. Die Ränder werden meist mit Erde zugedeckt. Ein komplettes zudecken, meist niedrig wachsender Gemüsesorten, kann auch mit Vlies oder Kulturschutznetzen die direkt über die Pflanzen gelegt werden, erfolgen. Auch hier werden die Ränder meist mit Erde zugedeckt. Welche Methode Sie schlußendlich praktizieren ist Ihnen überlassen. Wichtig ist immer nur, daß die Pflanzen zu 100% gegenüber einer ungewollten Fremdbefruchtung geschützt sind.

(5.3.2.1.): "Feststehende":
Unter "feststehenden" Isolationskäfigen werden die selbstbefruchtenden Gemüsesorten, wo entweder mehrere verschiedene Sorten zeitgleich angebaut, oder wo eine mögliche Fremdbefruchtung durch Insekten nicht ganz ausgeschlossen werden kann, isoliert. Da es sich hier um selbstbefruchtende Gemüsesorten handelt, werden die Pflanzen entweder einzeln oder zu einer Gruppe zusammen, komplett eingepackt unter einem Isolationskäfig. Da hier keine Insektenbefruchtung für eine normale Saatgutentwicklung notwendig bezw. auch unerwünscht ist, beläßt man den Isolationskäfig vom Blütenbeginn bis oft zum fertigen Samenkorn, die ganze Zeit über den Pflanzen. Daher wird auch von "feststehenden" Isolationskäfigen gesprochen, da diese während ihres Einsatzes nicht bewegt werden.
(5.3.2.2.): "An abwechselnden Tagen":
Diese Methode wird nur für Fremdbefruchtende bezw. Insektenbefruchtende Gemüsesorten benutzt, die zeitgleich abblühen. Es werden mindestens zwei Isolationskäfige benötigt. Maximal sollte man nur bis zu vier verschiedene Gemüsesorten so isolieren, da je mehr Isolationskäfige zum Einsatz kommen, umso weniger Saatgut wird man durch mangelnde Insektenbefruchtung ernten.
Die Methode der Isolationskäfige an abwechselnden Tagen funktioniert generell folgendermaßen: Die zu isolierenden Gemüsesorten werden alle, kurz vor Blühbeginn, je nach Sorte getrennt, unter Isolationskäfigen eingepackt. Mindestens 6 bis 10 Pflanzen pro Gemüsesorte sollte man dazu einpacken unter dem Isolationskäfig.
Am Morgen des ersten Tages, wo eine der zu isolierenden Gemüsesorten anfängt aufzublühen, wird von dieser Gemüsesorte der Isolationskäfig für einen Tag lang entfernt. Während dieser Zeit können die Blüten dieser Gemüsesorte von Insekten befruchtet werden. Am Abend des ersten Tages kommt auf die erste geöffnete Gemüsesorte, die jetzt teilweise befruchtet wurde, wieder der Isolationskäfig drauf.
Am Morgen des zweiten Tages wird von der zweiten Gemüsesorte die aufblüht, der Isolationskäfig für einen Tag lang entfernt. Abends nach der teilweisen befruchtung wird er wieder aufgesetzt. Man verfährt so im 1-Tages-Rhythmus mit all den restlichen Gemüsesorten, bis man wieder bei der ersten Gemüsesorte angelangt ist. Damit die Pflanzen möglichst viele Samenkörner ansetzen können, sollte man diese Methode solange fortsetzen, bis genügend Samenkörner gebildet sind. Wichtig ist dabei, daß wenn genügend Samenkörner gebildet wurden, man die Isolationskäfige bis zum Ende der Blütezeit der verschiedenen Gemüsesorten, drauf lassen muß, damit es nicht nachträglich zu einer Fremdbefruchtung kommen kann. Erst wenn alle zu isolierenden Gemüsesorten vollständig abgeblüht sind, kann man die Isolationskäfige ganz entfernen.

(5.3.2.3.): "Mit Bestäuberinsekten":
Mit dieser Methode, die zwar aufwendig ist, kann man aber eine große Anzahl von Pflanzen von vielen verschiedenen Gemüsesorten, gleichzeitig sortenrein erhalten. Sie wird für Fremdbefruchtende bezw. Insektenbefruchtende Gemüsesorten eingesetzt die zeitgleich abblühen.
Die Methode der Isolationskäfige mit Bestäuberinsekten funktioniert generell folgendermaßen: Die zu isolierenden Gemüsesorten werden alle, kurz vor Blühbeginn, je nach Sorte getrennt, unter großen Isolationskäfigen eingepackt. Mindestens 10 bis 15 Pflanzen pro Gemüsesorte sollte man dazu einpacken unter dem Isolationskäfig. Ebenso muß man etwas mehr Platz einrechnen, für die Bestäuberinsekten die eingesetzt werden. Sobald eine der isolierten Gemüsesorten mit blühen anfängt, setzt man die Bestäuberinsekten in den jeweiligen Isolationskäfig ein. Nach und nach werden so bei allen isolierten Gemüsesorten unter den Isolationskäfigen, Bestäuberinsekten eingesetzt.
Die Bestäuberinsekten erfüllen nun die Aufgabe der Befruchtung der Blüten. Da sie nur an diese Blüten herankommen, kommt es zu keiner ungewollten Fremdbefruchtung und da sie von Blühbeginn, bis zum Blühende unter dem Isolationskäfig dauernd befruchten, gibt es auch keine Ausfälle bei der Saatgutmenge durch mangelnde Insektenbefruchtung wie bei der Methode "an abwechselnden Tagen". Sobald die Blüten einer der isolierten Gemüsesorten abgeblüht sind, kann man die Bestäuberinsekten aus diesem Isolationskäfig entnehmen. Nach und nach werden auch aus den restlichen Isolationskäfigen die Bestäuberinsekten nach Blühende herausgenommen. Zur Sicherheit sollte man die Isolationskäfige aber auf den jeweiligen Gemüsesorten belassen bis die Samenbildung anfängt.
Besonders wichtig beim Einsatz von Bestäuberinsekten ist, eine Artgerechte und der jeweiligen Insektenart angepaßte Haltung in den Isolationkäfigen. Als Bestäuberinsekten eignen sich unter anderem folgende Arten:

  1. Mauerbienen (Osmia rufa): Sie sind relativ leicht in der Zucht und können gezielt zur Bestäubung in den Isolationskäfigen eingesetzt werden. Es sind Solitärbienen, die alleine und nicht in einem Volk leben. Generell eignen sich alle wildlebenden Solitärbienen für die Bestäubung.
  2. Schmeißfliegen (Calliphora spp.): Man bekommt sie als Maden (Köder) in vielen Anglergeschäften zu kaufen. Ca 3 Wochen dauert es bis sich die Maden bei Zimmertemperatur verpuppen und die Fliegen schlüpfen. Schmeißfliegen müssen daher rechtzeitig vor Blühbeginn eingekauft werden.
  3. Mistbienen/Scheinbienen (Eristalis tenax): Die Mistbienen findet man am leichtesten in Misthaufen vor Ort. Die Zucht ist recht aufwendig. Die Eier dieser großen Schwebfliegenart, werden in der Jauche von Misthaufen abgelegt. Die Larven entwickeln sich im Misthaufen und können dort eingesammelt werden. Das Schlüpfen der Mistbienen kann einige Wochen dauern.
  4. Erdhummeln (Bombus terrestris): Man kann die Erdhummeln meist im Gartenhandel oder direkt bei diversen Nützlingsfirmen per Versand kaufen. Da sie weniger "staatenfixiert" sind als Honigbienen, kann man aus den königslosen Hummelvölker die man kauft, Hummeln herausfangen und in die Isolationskäfige einbringen. Erdhummeln gewöhnen sich rasch an die neue Situation und leisten bei den für sie geeigneten Kulturen, gute Bestäubungsarbeit.
Wichtig: Bitte keine Honigbienen in den Isolationskäfigen einsetzen! Es sind soziale Lebewesen, die in der "Gefangenschaft" keine Bestäubungsarbeit leisten, da sie unbedingt zu ihrem Bienenvolk zurückfliegen wollen! Ebenso ist beim Einsatz von Bestäuberinsekten, wie bereits gesagt, auf eine Artgerechte und der jeweiligen Insektenart angepaßte Haltung in den Isolationskäfigen notwendig! Bitte informieren Sie sich unbedingt vor dem Einsatz von Bestäuberinsekten über deren Haltung und Lebensgewohnheiten!


(5.4.): "Die Handbestäubung":
Die gebräuchlisten Methoden der sortenreinen Saatgutgewinnung haben Sie bereits gesehen. Neben der mechanischen Isolation wird auch noch sehr häufig die händische Bestäubung angewandt. Diese Methode eignet sich besonders für Gemüsearten die von Insekten befruchtet werden, bezw. ebenso für Windbestäuber wie z.B: den Mais. Im privaten Hausgarten wird diese Methode vor allem bei getrennt-geschlechtlichen Blüten angewandt. Pflanzen mit zwittrigen Blüten sind mit der Handbestäubung nur recht aufwenig sortenrein zu vermehren. Daher werden zwittrige Blüten meist auch nur in der gewerblichen Züchtung eingesetzt bezw.nur von sehr erfahrenen privaten Erhaltern imHausgarten gebraucht.
Generell funktioniert die Methode der Handbestäubung folgendermaßen: Die Blüten der zu vermehrenden Gemüsesorten werden einzeln oder im ganzen mit Vlies oder ähnlichem eingepackt um sie vor ungewollter Fremdbefruchtung zu schützen. Sobald die Blüten soweit sind, wird die Schutzhaube der Blüten kurz abgenommen. Aufpassen daß während dieser Zeit keine Insekten oder starker Wind weht! Nun werden von den männlichen Blüten reiner Pollen abgenommen und von Hand auf eine empfängliche Narbe einer ebenfalls vor Fremdbefruchtung geschützten Gemüsesorte einer weiblichen Blüte aufgetragen. Nachdem die Befruchtung von Hand geschehen ist, muß die weibliche Blüte vor weiterer ungewollter Fremdbefruchtung weiterhin geschützt werden. Dazu packt man die befruchtete Blüte wieder mit Vlies oder ähnlichem ein und markiert sie mit einem farbigen Bindfaden oder ähnlichem. Sobald die Blüte vollständig abgeblüht ist bezw. die Samenkörner sich bereits entwickeln,kann man die Schutzhaube aus Vlies ganz entfernen. Die Handbestäubung ist also eine Art "künstliche Befruchtung", die jedoch sehr einfach zu handhaben ist. Durch diese Methode kann man ganz gezielt die schönsten und besten Pflanzen in einem Bestand auswählen die den nötigen Kriterien der jeweiligen Gemüsesorte am besten entsprechen. Für Züchtungs- und Selektionsarbeiten an Gemüsesorten eignet sich die Handbestäubung also sehr gut.



(6.) Auslese und Selektionsarbeit:




(IN ARBEIT)
320x240 Selektion - Auslese



(7.) Populationsgröße und Genetische Vielfalt:
Nutzpflanzen sind bei jedem Anbau unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt. In einer Saison kann es einen trocknen heißen Sommer geben und in der nächsten z.B: einen kühlen und regnerischen. Aber auch die Niederschläge, Frosteinwirkungen, Hagel, Bodenbedingungen, Nährstoffverfügbarkeit, sowie Krankheiten wie Pilzbefall oder Schädlinge können von einer Saison zur anderen extrem schwanken. Solche Schwankungen beeinflussen unsere Kulturpflanzen wesentlich, sowohl negativ als auch positiv.
Baut man also während einer Saison zu wenige Pflanzen einer Art/Sorte an, kann es sein daß der viel zu kleine Bestand nicht die nötige genetische Variabilität besitzt um den vorherrschenden Wetterverhältnissen oder Umweltbedingungen zu trotzen und schlimmstenfalls ganz ausfällt.
Baut man hingegen einen größeren Bestand von einer Art/Sorte an, ist die genetische Variabilität größer und man stellt fest, daß einzelne Pflanzen aus diesem großen Bestand besser mit der vorherrschenden Wetterlage oder Umweltbedingungen zurechtkommt als die anderen.
Diese Pflanzen sind wahrscheinlich auch in den nächsten Anbaujahren, so flexibel und beweglich daß sie unterschiedlichen Umweltbedingungen standhalten. Solche Pflanzen besitzen also eine gute Anpassungsfähigkeit, die stets eine gute und sichere Ernte garantieren.
Aber auch für die Auslese und Selektionsarbeit ist es enorm wichtig einen größeren Bestand einer Art/Sorte pro Saison anzubauen. Wenn Sie z.B: nur eine einzige Tomatenpflanze einer Sorte anbauen, wie wollen Sie da feststellen ob diese Pflanze die beste ist? Es gibt ja keine Vergleichspflanzen. Je mehr Tomatenpflanzen Sie von dieser Sorte anbauen, umso mehr Auswahl haben Sie um aus diesem großen Bestand heraus die wirklich schönsten Pflanzen als Samenträger auszuwählen.
Die spätere Ernte beginnt bereits beim Samenkorn, achten Sie besonders darauf! Lieber einige wenige Arten/Sorten optimal vermehren, als viele Arten/Sorten und diese nur mangelhaft!
Wenn Sie aus einem zu kleinen Bestand, von schlecht ausgewählten Samenträgern Saatgut abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch auch nur schlechte Pflanzen mit wenig Anpassungsfähigkeit und ebenso eine schlechte oder geringere Ernte zu haben.
Nehmen Sie hingegen aus einem großen Bestand, von gut ausgewählten Samenträger Saatgut abnehmen ist die Wahrscheinlichkeit hoch bessere Pflanzen mit einer großen Anpassungsfähigkeit und somit eine höhere und sichere Ernte zu haben.
Deshalb immer einen großmöglichsten Bestand pro Art/Sorte in einer Saison anbauen oder wenn der Platz im Garten nicht ausreichend ist, sich zumindest an die Mindestanzahl von Samenträger zu halten.
Diese Mindestanzahl von Samenträger erfahren Sie für die einzelnen Gemüsearten unter der Rubrik: "Sortenerhalt der einzelnen Gemüsearten" .


(8.) Saatgutreinigungsmethoden:
Zwischen der Ernte und der Lagerung erfolgt der wichtige Arbeitsschritt der Saatgutreinigung. Nur gut gereinigtes Saatgut sollte später eingelagert werden.
Bei der Saatgutreinigung unterscheidet man zwischen zwei grossen Methoden:
  • Die Nassreinigung: Diese erfolgt bei Fruchtgemüse wie z.B: Tomaten, Gurke, Auberginen. Melonen, u.s.w.
  • Die Trockenreinigung: Diese erfolgt bei Pflanzen deren Samen in Hülsen, Schoten oder ähnlichem enthalten sind, wie z.B: Bohnen, Mais. Salat, Radieschen, u.s.w.
(8.1.) Die Nassreinigung:
Die Nassreinigung bei Fruchtgemüse kann mit oder ohne Gärung erfolgen und ist in drei Etappen aufgebaut:
  • Etappe 1: Die Samenentfernung aus der Frucht mit anschließender Vergärung oder ohne Vergärung.
  • Etappe 2: Der Waschvorgang um die Samen zu reinigen.
  • Etappe 3: Die Trocknung der Samenkörner.
(8.1.1.) Die Nassreinigung mit Gärung:
(8.1.1.1.) Die Samenentfernung:
Generell gilt, keine angefaulten Früchte für die Saatgutgewinnung nutzen. Nur große und gut ausgereifte Früchte werden verwendet und mit einem Messer aufgeschnitten. (Tomaten nicht von oben nach unten, sondern mittig durchschneiden, damit alle Fruchtkammern geöffnet werden.) Anschließend die Samen mit dem anhaftenden Fruchtfleisch mittels eines Löffels in ein Glas/Behälter ausschaben.
Kleine Früchte werden nicht einzeln aufgeschnitten, sondern in einem Glas/Behälter zerdrückt. Werden viele kleine Früchte verarbeitet, lohnt sich die Anschaffung eines Mixers mit Behälteraufsatz. Hierbei wird 1/3 Früchte und 2/3 Wasser in den Behälter des Mixers eingefüllt und stoßweise (kein Dauer-Mixvorgang benutzen!), die Früchte zerkleinert. Dabei verhindert das zugegebene Wasser, dass die Samenkörner beschädigt werden beim Mix-Vorgang.
Das gewonnene Fruchtfleisch, der Saft und die Samenkörner werden in einem Glas/Behälter nun für einige Tage lang vergären gelassen und gelegentlich umgerührt. Dabei das verwendete Gefäß nicht dicht abschließen, da sich durch die Vergärung ein Druck aufbaut!
Je nach Temperatur (23-30ºC), läuft die Vergärung schneller oder langsamer ab. Dabei kann sich an der Oberfläche eine dünne Hefeschicht bilden.
Wer sich mit der Vergärung noch nicht auskennt, kann mittels einer Fingerprobe ermitteln ob die Samenhülle abgebaut ist oder nicht. Wenn sich die Samen nicht mehr glitschig sondern rau anfühlen, ist die Vergärung abgeschloßen und die Samenkörner sollen dann schnellstmöglich gereinigt und getrocknet werden.

(8.1.1.2.) Der Waschvorgang:
Die vergärte Brühe in ein großes Glas oder durchsichtigen Behälter umschütten, reichlich Wasser hinzugeben und kräftig umrühren. Die schweren Samen sinken zu Boden, das leichtere Fruchtfleisch und taube Samen steigen nach oben. Nun das Fruchtfleisch und die tauben Samen abgießen. Aufpassen daß die unten im Glas befindlichen Samenkörner nicht mit abgegoßen werden. Dieser Abschütt-Vorgang mit Wasserzugabe muß einige Male wiederholt werden, bis das Wasser vollkommen klar bleibt und nur mehr die Samenkörner enthält.
Anschließend die Samenkörner in ein engmaschiges Sieb geben, wo Sie nicht durchfallen können und kurz mit klarem Wasser abspülen.

(8.1.1.3.) Die Trocknung:
Nachdem die Samenkörner gereinigt sind ist es sehr wichtig daß diese rasch getrocknet werden, damit sie nicht anfangen zu keimen.
Die Unterseite des Siebes, wo sich die gereinigten Samenkörner befinden, mit einem sauberen und trockenen Tuch abtupfen um damit viel der verbleibendnen Flüssigkeit an den Samenkörnern, aufgesaugt wird.
Danach werden die Samenkörner aus dem Sieb auf Porzelanteller, Holzbrettchen, dicker Pappe, Fliegengitter oder ähnlichem verteilt Nicht geeignet als Unterlage sind Papier, Küchenrollen-Papier, Stoff oder Plastikfolien. Die getrockneten Samen kann man von diesen Oberflächen später nur sehr scher abbekommen.
Die Unterlagen mit den Samenkörner an einen warmen Ort (23-30ºC) luftig aufstellen und beschriften. Die Samen sollen nach maximal 2 Tagen getrocknet sein.
(8.1.2.) Die Nassreinigung ohne Gärung:
Diese läuft eigentlich fast identisch ab wie die Nassreinigung mit Gärung, so dass hier nur abweichende Punkte erklärt werden.
Da die Samen bei diesem Verfahren nicht vergärt werden, werden die Samen nach dem auslösen aus dem Fruchtfleisch nur in ein Sieb gegeben und unter fließendem Wasser gereinigt.
Sollte sich dabei das Fruchtfleisch nur schwer von den Samenkörnern trennen, so kann ein 12 bis 24-stündiges Wasserbad hilfreich sein. Dazu die Samen mit dem Fruchtfleisch in ein Glas/Behälter geben, Wasser hinzufügen und kühl aufstellen. Wichtig, das Ganze nicht warm stellen, da sonst eine unerwünschte Vergärung auftritt. Das Wasserbad dient lediglich dazu das Gewebe des Fruchtfleisch von den Samen abzulösen.
Nach 12 oder 24 Stunden das Ganze kräftig umrühren bezw. in einem verschließbaren Glas/Behälter schütteln und in einem Sieb dann unter fließendem Wasser reinigen.
Alle anderen Schritte sind identisch wie bei der Nassreinigung mit Gärung!
(8.2.) Die Trockenreinigung:
Die Trockenreinigung bei Pflanzen mit Hülsen/Schoten oder dergleichen ist in drei große Etappen aufgebaut:
  • Etappe 1: Das trocknen der Samenkörner oder Hülsen/Schoten.
  • Etappe 2: Das ausdreschen des Saatgutes.
  • Etappe 3: Das reinigen des Saatgutes.
(8.2.1.) Das Trocknen:
Das Trocknen der Samenträger oder Hülsen/Schoten erfolgt auf zwei verschiedenen Wegen:
  • Weg 1: Trocknen der Samen an der Pflanze.
  • Weg 2: Nachtrocknen der Samenstände im Haus / Notreife.
Generell gilt für das Trocknen der fertig gereinigten Samen, daß diese mindestens 1 Woche lang bei Temperaturen zwischen (23-30ºC) gut getrocknet werden. Temperaturen über 35ºC, besonders wenn sie längerfristig auf die Samenkörner einwirken, beschädigen den Keimling im Samenkorn. Finden sich keine geeigneten Orte zum Trocknen, kann auch mittels Silikagel getrocknet werden. Siehe hierzu auch: "Saatguttrocknung mit Silika-Gel" .
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(8.2.1.1.) Trocknen der Samenkörner an der Pflanze:
Bei anhaltender trockner Wittrung ist es vorteilhafter die Samen in den Hülsen/Schoten an den Samenträger trocknen zu lassen. Entweder man erntet laufend die bereits reifen, trockenen Hülsen/Schoten einzeln von den Samenträgernoder man wartet bis alle Hülsen/Schoten eines Samenträgers reif und trocken sind, rauft sie dann alle zeitgleich ab oder schneidet den ganzen Samenträger ab.
Besser, aber zeitaufwendiger ist sicherlich das laufende durchpflücken der einzelnen Hülsen/Schoten. Werden die Hülsen/Schoten gerauft oder gar die ganzen Samenträger geerntet, wird hierdurch der spätere Reinigungsprozess erheblich erschwert. Ob man die Hülsen/Schoten nun einzeln oder die ganzen Samenträger erntet und später reinigt, ist jedem selbst überlassen.

(8.2.1.2.) Nachtrocknen der Samenstände im Haus:
Besonders bei lang anhaltenden Regen- oder Schlechtwetter-Periodenist es nur schwer die Hülsen/Schoten trocken von den Samenträgern zu ernten. Auch in kühlen Gegenden wo der Frost frühzeitig einsetzt oder bei spät ausreifenden Sorten ist eine Trocknung an der Pflanze wegen Frosteinwirkung und Verpilzung der Samenkörner nicht möglich und eine Notreife ist notwendig.
Daher werden in diesen Fällen die Samenträger ab einem gewissen Reifepunkt, meist wenn 50% oder mehr Hülsen/Schoten reif und trocken sind, ganz abgeschnitten und ohne Wurzeln kopfüber an einem trocknen und frostfreiem Ort aufgehängt zumnachtrocknen.
Ebenso können auch die an der Pflanze gereiften und getrockneten Hülsen/Schoten gerne nachgetrocknet werden im Haus, was sich positiv auf die Saatgutqualität auswirkt.
Bei Samenträger deren Hülsen/Schoten noch grün und nicht reif sind, aber im Freiland nicht mehr abreifen würden, kann man die Samenträger auch mit den Wurzeln herausnehmen, diese dann eintopfen und an einem hellen, aber frostfreien Ort zum abreifen aufstellen.
(8.2.2.) Das Ausdreschen des Saatgutes:
Durch den Dreschvorgang wird das Saatgut aus den Hülsen/Schoten befreit. Bei kleinen Saatgutmengen kann man das Saatgut händisch aus den Hülsen/Schoten herauspallen. Größere Mengen lassen sich aber einfacher und schneller ausdreschen.
Da die Hülsen/Schoten der einzelnen Gemüsearten sehr unterschiedlich sind und auch unterschiedlich beim ausdreschen reagieren, gibt es daher auch verschiedene Dreschmethoden.
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(8.2.2.1.) Samen die in leicht brüchigen Kapseln oder Blattachseln sitzen:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Spinat, Lein, u.s.w.
Entweder man streift die Hülsen/Schoten von Hand von den Samenträger ab oder man gibt die Samenträger in einen Sack und schlägt sie gegen eine Wand. Die Samen fallen dabei aus und sammeln sich am Boden des Sackes.

(8.2.2.2.) Samen die fest von Hülsen/Schoten umgeben sind:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Radieschen, Endivien, Rettich, u.s.w.
Die Samenträger in einen Sackpacken und auf einer relativ festen Unterlage wie eine alte Decke mit einem Dreschflegel (z.B: ein alter Spatenstiel) ausdreschen oder den Sack mit Füßen austreten.
Ebenso kann man die Hülsen/Schoten (keine ganzen Samenträger) in einen großen Kübelgeben und mit sauberen Schuhen darin austreten.

(8.2.2.3.) Samen die sich leicht aus den Hülsen/Schoten lösen:
Als Beispiele für solche Gemüsearten sind zu nennen: Erbsen, Bohnen, Kohlarten,u.s.w.
Die Samenträger in einen Sack packen und auf einer weichen Unterlage wie eine alte Matratze mit einem Dreschflegel (z.B: ein alter Spatenstiel) behutsam ausdreschen.
Ebenso kann man die Hülsen/Schoten (keine ganzen Samenträger) in einen großen Kübel geben und mit sauberen Schuhen darin behutsam austreten.
Besonders bei großkörnigen Samenkörnern unbedingt behutsam ausdreschen oder austreten. Beim ausdreschen dabei immer wieder den Sack neu aufschütteln und drehen während des Dreschvorgangs. Schlägt man zu fest zu können die Samenkörner Schaden nehmen.
(8.2.3.) Das Reinigen des Saatgutes:
Nachdem die Samkörner aus den Hülsen/Schoten befreit sind, geht es ans reinigen. Dies sollte so gründlich wie möglich vollzogen werden, da alle Erdteile, Stängel- und Pflanzen-Reste, Krankheitserreger auf das Saatgut übertragen können.
Um das Saatgut zu reinigen gibt es verschiedene Methoden, die einzeln oder auch kombiniert angewandt werden können. Meistens sind mehrere Wiederholungen der einzelnen Reinigungsvorgänge nötig, damit das Saatgut vollständig gereinigt ist.
(8.2.3.1.) Reinigen von Hand:
Diese Methode eignet sich nur für sehr kleine Mengen an Saatgut. Dabei werden die Samenkörner oder die Verunreinigungen mit den Fingern oder einer Pinzette händisch aussortiert.

(8.2.3.2.) Die Siebreinigung:
Die Siebreinigung ist eine einfache und schnelle Methode um das Saatgut zu reinigen. Man benutzt dazu Siebe mit unterschiedlichen Maschenweiten.
Als Erstausstattung an Sieben kann man sich evtl. folgende Siebe anschaffen:
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Grobe Siebe:
Nr: 2 (Maschenweite 11,7mm)

Nr: 12 (Maschenweite 1,80mm)
Mittlere Siebe:
Nr: 14 (Maschenweite 1,40mm)