Die wohl am häufigsten und zuerst gewählte Gemüseart die von Privat-Gärtnern vermehrt wird, ist die Tomate. Fruchtgemüse ist generell sehr beliebt in Hobbygärten, aber die Vielfalt an tausenden Tomatensorten die es gibt, scheint eine magische Wirkung auf die Menschen zu haben. Wie sonst kann man es sich erklären, daß so viele Webseiten dieses Thema behandeln und in so vielen Forumen über Tomaten berichtet wird?
Neben der Vielfalt an Formen, Farben und Geschmack, ist sicherlich auch die Tatsache, daß Tomaten leicht zu vermehren und relativ leicht sortenrein zu erhalten sind, maßgeblich daran beteiligt, warum immer mehr Menschen nicht nur 1 oder 2 Sorten in Ihrem Garten anbauen, sondern oft dutzende von Sorten.
Botanische Einteilung:
Die Kultur-Tomaten in unseren Gärten gehören meistens der Gattung Lycopersicon und zur Art esculentum . Wildtomaten und Johannisbeertomaten ( Lycopersicon pimpinellifolium ) haben meist kleine Früchte, die oft weniger als 1cm Durchmesser haben. Diese Sorten kreuzen sich meist sehr leicht untereinander.
Befruchtung, Kreuzung und Isolation:
Die meisten von unseren Kultur-Tomaten haben Griffel, die gar nicht mehr sichtbar sind. Bei solchen Sorten ist eine Kreuzung zwischen verschiedenen Sorten fast unmöglich und somit grösstenteils auszuschließen.
Doch es gibt eine Vielzahl an Sorten, deren Griffel über die Staubbeutel hinausragt. Das sind zB: die Wild- und Johannisbeertomaten. Aber auch kartoffelblättrige Sorten oder Fleischtomaten, die von doppelten Blüten abstammen, haben meist alle Griffel die hinausragen. Hier ist unbedingt eine Isolation nötig, um die einzelnen Sorten auf Dauer sortenrein zu erhalten.
Aber auch alle anderen Kultur-Tomaten sollten, wenn mehrere Sorten miteinander angebaut werden, trotz der unwahrscheinlichkeit einer Kreuzung, isoliert werden um sie sortenrein zu behalten.
Bei Stabtomaten im Freiland kann man Isolationskäfige oder Vliessäcke über die einzelne Sorten stülpen, um sie vor Kreuzungen zu schützen. Im Gewächshaus werden Tomaten oft an Schnüren aufgeleitet. Hier kann man keine Isolationskäfige benutzen. Auch die Verwendung von Vliessäcken ist meist nicht möglich. Hier muß man die Blüten entweder einzeln zB: mit Vlies einpacken. Oder man schirmt das ganze Gewächshaus ab. Dazu werden alle Lüftungen und Türen, aber auch alle möglichen Schlitze und Risse, mit Vlies abgedichtet. Ein solch komplett abgeschirmtes Gewächshaus ermöglicht auch den Anbau von vielen Sorten auf engstem Raum, ohne daß man eine Kreuzung der Sorten untereinander befürchten muß. Aber wie bei allem, es gibt leider nie eine 100% Garantie daß nicht doch irgendwie eine Kreuzung stattgefunden hat. Insbesondere das öffnen und schließen der Türen und evtl. der Lüftungen muß mit einer größtmöglichen Sorgfalt gemacht werden, will man ungewollte Kreuzungen vermeiden.
Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, doch einmal zu einer Kreuzung gekommen sein, müssen Sie dieses Saatgutunbedingt vernichten oder diese Pflanze nicht für die Produktion von Saatgut verwenden. Wer ernsthaft Sorten erhalten will, muß sich peinlichst an alle Vorsichtsmaßnahmen halten. Ansonsten hat er irgendwann ein Sammelsurium an Verkreuzungen anstatt an Sorten. Und ich denke mir, daß kein ernsthaft Interessierter Erhalter(in) daran Gefallen finden würde.
Da der Fruchtansatz bei Tomaten sich wesentlich verbessert, wenn sie geschüttelt werden, sollten besonders Tomaten in Gewächshäusern und unter Isolationskäfigen oder Vliessäcken täglich einmal geschüttelt werden. Im professionellen Gemüseanbau hat man neben dem Einsatz an Hummeln auch technische Apparate, sogenannte "Thriller" entwickelt, die die Pflanzen schütteln. Da im Freiland der Wind für die nötige Bewegung sorgt, damit mehr Pollenkörner auf die Staubbeutel gelangen, muß unter Käfigen, Gewächshäusern und dergleichen, der Mensch etwas nachhelfen. Die beste Zeit dafür ist um die Mittagszeit mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Aber auch andere Zeitpunkte erhöhen den Fruchtansatz schon ungemein.
Saatgutgewinnung, Ernte und Verarbeitung:
Um Saatgut zu ernten, müßen die Früchte vollreif sein. Die gepflückten Früchte sollte man kurz abwaschen und in der Mitte durchschneiden (nicht von oben nach unten!). Dann können die Samenkörner samt Fruchtfleisch in eine Schüssel oder einen Behälter gedrückt werden. Wer möchte, kann auch die Samenkörner mit einem Löffel aus der Frucht auslöffeln. Bei kleinfrüchtigen Tomaten kann man diese in einem Mixer oder Fleischwolf zerkleinern. Ich persönlich bin nicht so sehr von dieser Methode angetan, da doch die Möglichkeit besteht, Samenkörner zu verletzen. Daher zerkleinere ich auch diese Tomaten und zerdrücke sie im ganzen, per Hand.
Nun gibt es zwei unterschiedliche Methoden das Saatgut zu gewinnen. Die eine wird oft als Amateur- und die andere als Profi-Methode bezeichnet. Zunächst einmal die Amateur-Methode:
Das so gewonnene Fruchtfleisch wird direkt unter fließendem Wasser in einem engmaschigen Sieb gereinigt bis nur mehr die Samenkörner übrig sind. Danach werden sie auf einem Tuch oder Filterpapier ausgebreitet und getrocknet.
Da das Fruchtfleisch der Tomaten keimhemmende Substanzen besitzt, die verhindern, daß die Samen bereits in der Frucht im nassen Fruchtfleisch keimen können, wird die Amateur-Methode oft nicht angewandt, wenn man eine hohe Keimfähigkeit des Saatgutes erreichen will, da der natürliche Fermentierungsprozeß hier nicht stattfinden kann. Hierfür wird dann die Profi-Methode verwendet:
Das Fruchtfleisch wird bei der Profi-Methode, anstatt direkt auszuwaschen, zuerst einmal mit ungefähr derselben Menge an Wasser vermengt und kurz aufgerührt, damit sich die Samen nach unten absetzen können. Diese Brühe bleibt jetzt mindestens drei Tage lang im Freien stehen, da oft unangenehme Gerüche entstehen. Zweimal am Tag sollte man das Ganze einmal umrühren. Nun bildet sich oben drauf ein geschlossener Schimmelrasen bezw. steigen Blasen auf. Der Fermentierungsprozeß ist nun abgeschlossen. Die Samenkörner fangen meist den Tag drauf an mit keimen, weshalb sie umgehend aus der Brühe entfernt werden müssen.
Dazu schüttet man die Brühe in einen Eimer mit Wasser, rührt gut um und schöpft den nach oben steigenden Unrat ab. Der ganze Vorgang kann mehrmals wiederholt werden, bis man nur mehr saubere Samenkörner unten im Behälter hat. Die Samen werden dann in einen Sieb gegeben, durchgespült und auf einem Tuch oder Filterpapier getrocknet. Bei beiden Methoden sollte man keinesfalls Küchenpapier oder Plastikfolie als Unterlage verwenden zum trocknen, da die Samen dort dran festkleben!
Das Saatgut sollte zügig und gleichmäßig getrocknet werden. Günstig ist es wenn man 1-2 mal am Tag das Saatgut umschichtet. Saatgut darf jedoch niemals im direkten Sonnenlicht oder in einem Herd getrocknet werden!
Lebensdauer des Saatgut:
Die Samen der Tomaten können in der Regel und je nach Sorte 4 bis 10 Jahre lang keimfähig bleiben. Das Saatgut sollte vollkommen getrocknet sein, ehe es in luftdichte Behälter eingefüllt wird. Die Behälter an einen kühlen und trocknen Ort aufstellen. Es besteht auch noch die Möglichkeit, die Samen tiefzufrieren, um sie noch länger haltbar zu machen.